Sonntag, 15. Februar 2009

Robert Misiks Kult-Buch | 100% gelesen, war 100% die Zeit wert

Robert Misik | Das Kult-Buch | Glanz und Elend der Kommerzkultur | Berlin | Aufbau | 2007 | 200 Seiten | Signatur Pbo 7 Misik (Stadtbib. Köln)


Zugegeben, die 1970er-Jahre-Prilblümchen-Ästhetik (kombiniert mit der „Cola“-Schrift) des Titels hätten mich fast davon abgehalten, zu diesem Buch zu greifen, denn Schriften zur Kritik der Konsumkultur - gleich ob mit langem Bart a la Alte Frankfurter Schule oder apotheotisch a la Herzinger-Stein - wecken im Allgemeinen meine Neugier nicht.

Weil es aber nun so schön in den Räumlichkeiten der hiesigen Stadtbibliothek stand, war der Griff kein teurer. Misik zu lesen, war mit einem Gewinn verbunden: Von altbackener Kulturkritik oder Kommerztheologie keine Spur.

Ein paar kluge Einsichten waren zu lesen: zum Beispiel jene, den radikalen Islamismus unserer Zeit nicht als archaisches Phänomen zu begreifen, sondern als durchaus modernen Lifestyle, der westliche Technik aufgreift, um Menschen in Opposition zum mehr oder minder hedonistischen Westen zu bringen. Was hiervon auch nach dem Ende des Islamismus bleiben wird: die Fähigkeit des Westens, sich nicht positiv beschreiben zu müssen als Quelle seiner Stärke.

Misik schreibt klar, kurz und mit dezenten Boshaftigkeiten, etwa gegen den Dr. Poschardt, der die Armut predige, die bitteschön andere erleben mögen. Sehr lesenswert; ich habe netto rund drei Stunden gebraucht. Hier die Leseprobe des Verlags: Link.

Ich vermute, mit Robert Misiks Kult-Buch plus einem wissenschaftlichen Werk zur Technikfolgenabschätzung könnte mancher Student sich locker zum neuen Trendforscher erklären. Dümmeres als die fabelhaften Botschaften eines Matthias Horx kämen dabei bestimmt nicht heraus.






Keine Kommentare: