Donnerstag, 26. Februar 2009

Narzistische Kränkung, spät erlebt | Satz 4 von Seite 123

Carl Amery | Die ökologische Chance | Das Ende der Vorsehung - Natur als Politik | München | Heyne | 1990 | 357 Seiten | e: 19.08.1992

Als ich Ende 1990 in eine Partei eintrat, die unter einer Sonnenblume auftrat, tat ich das aus durchaus sachfremden Motiven. Neben der Vorstellung, dass sich dort realpolitisch endlich etwas in Richtung Vernunft bewegen müsse, war es wohl die Sympathie mit den Verlierern der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl. Das war, nach der Europa- und der Landtagswahl die dritte Abstimmung mit meinem Zettel.

Mein Motiv war blond, blauäugig und, so stellte ich mir vor, hochintelligent. Dieser Dame hinterherzulaufen, schien mir sinnvoll. Heute denken ich mir: Ach, so viel Zeit verloren.

Wie dem auch sei. Ich hatte das Bedürfnis (neben dem, das mich hinterherlaufen ließ), für mein vermeintlich ökologisches Weltbild auch noch etwas profunde Theoriegrundlage zu schaffen. Sie hoffte ich bei Carl Amery zu finden. Begeisterungsfähig war ich noch, so auch von diesem Buch. Heute ist da nur noch Entgeisterungslust.

Meine narzistische Kränkung in Sachen „blond & blauäugig“ kam natürlich wie von selbst. Meine narzistischen Kränkung in Sachen intellektueller Theoriesuche zur Daseinsbegründung kam, als ich eine scharfe Kritik an Amerys Theorie las, ich glaube, das war in der Zeitschrift „Vorgänge“ der Humanistischen Union. Das war in den Räumen der Düsseldorfer Stadtbibliothek, mehr weiß ich nicht mehr. (Gefunden habe ich die Rezension online jetzt auch nicht.)

Machen wir es uns heute leicht und zitieren rasch Satz 4 von Seite 123. Mir wird gerade etwas flau beim Grübeln, das ist mir alles nicht sehr angenehm:
Diese Problematik ist, wie die gegenwärtige Futurologie zeigt, bereits vorhanden.
Die von Amery hier angedeutete Problematik ist die vom Gegensatz der Eigentümer- wider die Nutzerinteressen an materiellen Entitäten. Kurz wohl das Problem, zu dem neuerdings viel internettheoretische Literatur produziert wird: Zugang statt Eigentum ...

Mit possessorischen Ideen komme ich meist nicht weit, darum nur noch dies:





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