Dienstag, 10. Februar 2009

Franz Alts para-antisemitischer Jesuskitsch | Satz 4 von Seite 123

Dieses Buch bereitet mir fast körperlich spürbaren Ingrimm. Es fußt auf Klischees vom Judentum zur Zeit Jesu, die schlichtweg nicht mehr vertretbar sind. Welch gruseliger Kitsch darüber hinaus, dass ein erwachsener, im Mediengeschäft bewanderter Mann sich ein Messiasbild zurechtpinselt, das er sich - und anderen - dann als Leitbild guter Lebensführung vor die Nase hält wie dem Esel die Möhre an der Angelrute? (Und mit ähnlich hohem Verstand wie der sprichwörtliche Esel.)

Micha Brumlik, seinerzeit Pädagogikprofessor und Ratsherr in Frankfurt am Main, langjähriger Leiter des Fritz-Bauer-Instituts, bezeichnete dieses Buch als ersten antisemitischen Bestseller in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Hartes Urteil, aber anhand des Werkes handwerklich solide begründet.

Übrigens mag es Franz Alt gar nicht, dass Brumlik seiner Weltanschauung durch Blick in seine Bücher zu Leibe rückte. Es erinnert an einen Sektenführer, wenn er vor der Kritik seines Werkes das persönliche Gespräch mit ihm einfordert (Quelle):


Ein Autor möchte sich nicht daran festhalten lassen, dass er Quark geschrieben hat. Das ist verständlich. Von Kritikern das klärende, persönliche Gespräch als Voraussetzung für legitime Kritik zu fordern, ist Blödsinn. Das ist ungefähr so, wie die jüngst von Stefan Niggemeier beschriebene Technik, die Zeitungsautoren dazu treibt, ihre Texte online vorzulesen: so, als nähme dies den ungefügtesten Texten ihre Ungefügtheit. Es gibt echt schon genügend Menschen, die nicht nachdenken, bevor sie den Mund zum Sprechen öffnen; soll man es Menschen nachsehen, die gegen die Kritik an ihren Büchern - die zuvor ein Lektorat gesehen haben - nachholende Erklärungsbedürftigkeit vorschützen?

Franz Alt | Jesus, der erste neue Mann | München & Zürich | Piper | 10. Auflage (251.-300. Tausend) 1992 | 185 Seiten | Ich hab's vom Wühltisch gekauft, dem HErrn sei's gedankt.

Und noch schnell das Zitat, Satz 4 von Seite 123 hinterhergeschoben:
Erst nach dem Schreck kommt die Chance der Befreiuung und Bewußtseinserweiterung(.)
Jünger erschrecken, weil der wiederauferstandene Gottessohn ihnen erscheint. Wohl an, gern mag ich bei solchen Visionen an Bewusstseinserweiterung glauben. Man weiß ja, wie man seit den 1960er-Jahren zur so genannten „Bewusstseinserweiterung“ kam.









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