Freitag, 20. Februar 2009

Carl Amerys Leyermark/Baiern | Satz 4 von Seite 123

Carl Amery | An den Feuern der Leyermark | München | Heyne | 3. Auflage 1988 | 351 Seiten | e: 04.07.1992

Carl Amery habe ich Anfang der 1990er-Jahre einmal bei einer Veranstaltung in Düsseldorf erlebt, bei einem Kongress zur Zukunftsforschung, mit der ich mich dann auch ein bisschen weiter beschäftigt habe: das Funkkolleg zur Technologiefolgenabschätzung und der Versuch, Peter Dienels „Planungszellenverfahren“ für die Umgestaltung der Langenfelder Innenstadt ins Gespräch zu bringen. Wer die trostlose Fläche im Zentrum von 4018/40764 Langenfeld/Rhld. kennt


soll immerhin wissen: Hier könnte es heute auch ganz anders aussehen.

Um das Ganz-anders-Aussehen - nicht des zwar auch sehr schwarzen Langenfelds, sondern - Bayerns geht es in Carl Amerys Alternativgeschichte zum 19. Jahrhundert: durch eine Aneinanderkettung absurder Zufälle gewinnt nicht Preußen den Krieg von 1866, sondern Österreich und das mit der k.u.k-Monarchie verbündete Bayern.

In der Folge nimmt Deutschland einen genossenschaftlichen Pfad in die ökonomische Moderne. Keine ganz absurde Vorstellung, die Amery letztlich aber mit dem Trick aus Ambrose Bierces' &132;Vorfall an der Owl-Creek-Brücke“ auflöst.

Dass Carl Amery ein ganz vertretbarer, aber keineswegs großartiger Brot-und-Butter-Schriftsteller war, lässt sich an diesem vierten Satz von Seite 123 unschwer ablesen.
Ein fester Kerl, fast ohne Genick, mit einer Furaschmütze auf, deren Schild hochgeklappt ist, und einer Jacke aus Wildleder an; das schaut nicht nach Militär aus, eher nach einem cholerischen Sägewerksbesitzer an Glonn oder Rott
So die Schilderung eines US-stämmigen Desperados, der der bayerischen Sache 1866 zum Sieg verhilft. Amery war selbst noch Soldat, im Zweiten Weltkrieg. Ihm, als Historiker, war die Bildhaftigkeit wohl bewusst: 1866 verhelfen US-Truppen dem Geist von 1848 zur politischen Macht. Das deutsche Elend: sie taten es erst 1945 (some of them sang the Hecker-songs of 1848).

Mir persönlich gefällt Carl Amerys literarisch-historischer Mischmasch meist ganz gut. Steckbriefe:







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