Montag, 9. Februar 2009

Als Franz Alt noch Mutti Menschheit liebte | Satz 4 von Seite 123

Wenn Männer zu viel Liebe in sich tragen, dann laufen sie - nach meiner Beobachtung - entweder als Sperminatoren durch die Welt oder sie beginnen, „Mutti Menschheit“ als Sektengründer, Politiker oder in ähnlich unproduktiven Branchen zu befruchten.

Meist reicht es nur zu einem von beidem: Potenzielle Sperminatoren geraten an eine Frauensperson, die aussieht wie Mami - und die dreht ihnen dann den Saft ab. Spirituelle Spinner landen bei einer Frauensperson, die aussieht wie eine Psychiaterin - und die gibt ihnen dann Saft in Form von Haldol.

Franz Alt hat dieses Schicksal von Männern, die zu viel Liebe in sich tragen, nicht erlitten. Darum fanden sich in Bücherregalen, die in den 1980er-Jahren ausgestattet wurden, Bücher wie:

Franz Alt | Liebe ist möglich | Die Bergpredigt im Atomzeitalter | Kornwestheim | Bertelsmann | oJ | 220 Seiten

Um die schwer verkorkste Denkungsart des Dr. Franz Alt zu exemplifizieren, bedarf es eines längeren Zitats (Satz 4 von Seite 123 ist unterstrichen):
Die wahre Ursache für die Atombombe ist verdrängte Angst (wahrscheinlich auch die wahre Ursache der meisten Abtreibungen). Angst ist die Mutter der Gewalt. Besonders die Angst derer, die behaupten, sie hätten keine Angst.
Wenn dieser Analogie-Unfug stimmte, müssten ja nach dem Ende des Sowjetimperiums und der damit verbundenen Abrüstung und allgemeinen Angstminderung auch die Schwangerschaftsabbrüche zurückgegangen sein. Sind sie zwar, aber wer würde behaupten, dass hier eine kausale Relation verläge?

* * *

Dass ich das Buch nicht selbst gekauft, sondern geschenkt bekam, kann man schon an einem vom Doktor Alt im Vorspann zustimmend notierten Zitat erkennen:
„Liebe ist die Antwort auf alle Probleme, die nicht von der Wissenschaft lösbar sind.“ (Sam Keen, amerikanischer Autor)
Als Luhmannianer milder Observanz würde ich mir schon vor meiner Bekanntnschaft mit dem Werk des Bielefelder Sozialpapstes die Fragen gestellt haben:
  1. Es gibt Probleme, die von der Wissenschaft nicht gelöst werden können.
  2. Zum Beispiel hat die Wissenschaft keine Lösung für die Frage: „Was ist Wahrheit?“
  3. Soll sich ein Wissenschaftler bei dem Versuch, der Wahrheitsgöttin am Mieder zu fingern (oder die Wissenschaftlerin: dem Wahrheitsgott an der Boss-Unterwäsche) methodisch an seinen/ihren Kolleg/inn/en in Forschung und Lehre orientieren und deren metaphysischen Aussagen zum per se unlösbaren Wahrheitsproblem - oder sich an jahrtausendelangem, meist doch sehr physischen Geschmachte zum Stichwort „Liebe“ abmühen, um von dorther auf „Wahrheit“ zu analogisieren?
Das war jetzt zugegebenermaßen etwas umwegig gedacht, aber mit verschnupftem Kopf und an einem Montagmorgen werde ich das nicht kürzer hinkriegen. Außerdem bin ich um diese Uhrzeit auch bloß Luhmannianer milder Observanz.






1 Kommentar:

GBW hat gesagt…

George Bernhard Shaw wurde heute zitiert mit diesem eingedeutschten Wort:
Demokratie ist ein Kunstgriff, der sicherstellt, dass wir nicht besser regiert werden als wir es verdienen.

Democracy is a device that ensures we shall be governed no better than we deserve.