Dienstag, 3. Februar 2009

Ach, diese Nachkriegswohnsitze | Satz 4 von Seite 123

Alexan (d.i. Alexander Kuppermann) | Mit uns die Sintflut | Frankfurt am Main | Fischer | 1987 | 250 Seiten

Die „Enzyklopädie für das selbstgestrickte Halbwissen“ leitet beim Stichwort „Alexan“ unvermittelt auf ein Leukämie-Medikament um. Und die Firma Google ermittelt bloß drei Ergebnisseiten zu "Alexander Kuppermann" mit antiquarischen Einträge zu diesem Buch hier.

1987 lebte Herr Kuppermann - wenn die Angaben des Fischer-Verlages stimmen - in einem Ort namens Ost-Berlin, den es als solchen zwei Jahre später bekanntlich nicht mehr gab.

In dem Buch geht es um Erkenntnisse eines in der Weimarer Republik aufgewachsenen so genannten Sozialisten, der seine politischen Einsichten im Stil eines mittelprächtig aufgeklärten Bloggers zu Papier brachte. Liest sich wie „Achse des Guten“ auf links gewendet.

Den Weg in mein Regal fand es beim Sammeln der Fischer-Bibliothek „Verboten und verbrannt / Exil“, die - nicht erst heute so zu sehen - zwar viele politisch hochgesonnene Autoren dokumentierte, aber nur eher wenige literarisch nennenswerte Texte. Alexans Werk gehört nicht zu letzteren. Ich zitiere nun Satz 4 von Seite 123:
Seine Wut konnte einem angst und bange machen.
Nun, das ist vielleicht noch kein Beleg für die ebenso böse wie realistische Aussage, dass hier Literatur vorliegt, die heutzutage bloß als Nullen und Einsen ins Internet gespuckt wird. Zitieren wir also noch die wörtliche Rede, die mit diesem Kommentar versehen wurde:
„Dafür werden an allen Ecken und Enden der Welt, von Mexiko bis Mossul, von Transvaal bis Texas weiße, rote, schwarze und gelbe Menschen ausgebeutet und ausgepreßt. Dafür werden Länder in Not und Elend gestürzt, Völker ausgehungert und zu bestialischem Sichabschlachten aufeinandergehetzt. Alles für die Nervenkitzel dämonischer Geldraffer, welche die Menschheit unterjocht haben.“
Gut, dieses Zitat mag - als wörtliche Rede gesetzt - nicht die Weltanschauung Alexans dokumentieren, sondern bloß die einer seiner Figuren. Aber dämlicher ging es auch 1935, als das Buch erstmals in Paris (in den Editions Météore) erschien, kaum noch: „dämonische Geldraffer“ sind es, die die Welt „unterjochen“ - und zwar für ihren „Nervenkitzel“? Darüber hätte der Genosse Stalin wohl herzhaft gelacht.

Das finde ich nicht lustig:








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