Samstag, 21. Februar 2009

717 Seiten an ein bis zwei Tagen - zwischen Lektüre & Elendsblättern

Das Hauptinteresse von Männern an Frauen ist: Ficken, Ficken, Ficken. Auf diese ulkige Hypothese stützt Oliver Kuhn seinen Ratgeber voller Tipps, mit denen es Männern (einschließlich ihm selbst) gelingen soll, sich dem Ziel zu nähern. In den USA scheint es nachgerade eine eigene Consultingbranche für hormongesteuerte Molchmännchen zu geben. Das Ganze ist zu allem Überfluss weitgehend ironiefrei geschrieben, früher häte man gesagt: affirmativ (zumal sich Oliver Kuhn ja auch als ein ganz toller Lustmolch Hecht outet). Kein Wunder, dass das Magazin „Playboy“, dem Kuhn zur Zeit der Abfassung dieses spermatösen Ratgebers als Chefredakteur diente, kräftige Leisten Verkaufseinbrüche zu verbuchen hat.


Der spermatöse Ratgeber, den Oliver Kuhn in die Buchhandlungen ergoss, wird offenbar von Autorinnen wie Ina Freiwald ernstgenommen: als Muster für ihr Männerbild. Die Journalistin serviert mit „Morgens Schürze, abends Strapse“ ein Buch zum Geschlechterverhältnis, das dem Mann schlechthin unterstellt, ein geisteskrank-geiler Bock zu sein - und Frauen davor warnt, diesem andrologischen Typus noch mehr zu dienen, als frau das derzeit schon tue.

Jan Roß nun findet den - seinerzeit noch amtierenden - Papst Johannes Paul II. unter anderem deshalb so toll, weil dieser gar nicht so lustfeindlich gewesen sei, wie man es dem Fürsten der Finsternis des römischen Katholikenklerus gerne unterstellt. Im Gegenteil: Auch Karol Wojtyla sei die Sache mit der Mumu und dem Schwänzchen sehr wichtig gewesen, nur habe er in seiner Morallehre das Zusammenstecken dieser weltbewegenden Organe eben so ernst genommen, dass er die persönliche Würde des Menschen davon abhängig machte, dass mensch es eben nur mit einem anderen Exemplar der Sorte Mensch treibe.

* * *
Vergangenen Mittwoch kaufte ich in der Buchhandlung M. insgesamt zehn hübsch preisreduzierte Taschenbücher. Der kölsche Karneval stand ja an, da ziehe ich mich gerne mit ein paar Büchern in die innere Emigration zurück. Die oben genannten Werke waren dabei: ihre 717 Seiten habe ich in knapp zwei Tagen studiert (Jan Roß) oder in abnehmendem Maße quergelesen/-geblättert (Freiwald mehr, Kuhn weniger).

Sonst, das heißt: ohne Preisreduktion in diesem intellektuellen Querschnitt und ohne die Bereitschaft, dem Karnevalsgeschehen auszuweichen, hätte ich mir jedenfalls diese 717 Seiten nicht vorgenommen:

Ina Freiwald | Morgens Schürze, abends Strapse | Was Männer an Frauen mögen - und warum uns das eigentlich egal sein kann | Reinbek bei Hamburg | Rowohlt | 2000

Oliver Kuhn | Der perfekte Verführer | Wie Sie garantiert jede Frau erobern | München | Knaur | 2007

Jan Roß | Johannes Paul II. | Der Jahrhundertpapst | Reinbek bei Hamburg | Rowohlt | Neuausgabe 2005


Dieses Lektüreexperiment, bei dem man für € 7,50 für ein paar Stunden vollständig den Verstand ausschalten konnte (und das auch besser tat), unternahm:







Übrigens empfand ich Freiwald aus textiler Aversion schon beim Titel etwas blödig; und wenn man Chefs von ihrem Personal her beurteilen kann, hier etwas, nachdem das Personal selbst Chef geworden war, was auch an Roß'schen Interpretationskünsten zweifeln lässt.

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