Montag, 26. Januar 2009

Vorschule des kölnischen (Familien-) Bandenwesens | 100% gelesen

Ulrich S. Soénius und Jürgen Wilhelm (Hg.) | Kölner Personenlexikon | Köln | Greven Verlag | 2008 | 606 Seiten | Signatur Stadtbibliothek Ncm 6 Sammlung von Biographien [...]

Wohl in keiner deutschen Stadt gehört die teils selbstverliebte, teils selbstkritische Rede vom lokalen Beziehungsgeflecht zum halbguten Ton wie in Köln. Was anderswo schlichtweg als „Filz“ deklassiert wird, kommt hier durchaus liebevoll als „Klüngel“ daher.

Dieses Bild vor Augen ist natürlich die Lektüre dieses Werkes sehr spannend gewesen, als Zugezogener kennt man die raunende Vertraulichkeit, mit der vor Ort weltbekannte Namen ausgesprochen werden, ja nicht unbedingt. Im vorliegenden Personenlexikon gibt es beispielsweise einen Eintrag zum Namen „Soenius“, der offenbar im Zuge seiner Rennfahrer-Karriere in den 1930er-Jahren den welschen Strich überm „e“ verlor. Nun könnte man raunen: Ob der wohl etwas mit dem Herausgeber des Lexikons zu tun hatte...

Was dem angesehenen medizinischen Wörterbuch Psychrembel seine „Steinlaus“, sind dem Kölner Personenlexikon mehr oder weniger auf wissenschaftlichem Spaß beruhende Einträge zu „Könige, Hl. Drei“ oder zum „Tünnes“, historisch tendenziell fiktivem Personal der heimischen Kultur.

Gerne wüsste man bei Einträgen wie dem von Dr. Josef Krämer (1904-1980) mehr. Während des Zweiten Weltkriegs trat dieser Nationalsozialist als Verwaltungskreatur im besetzten Krakau auf, nach dem Krieg war er dann wieder Rechtsanwalt in Köln. Bei Figuren wie dieser wird man wohl auf die Nachauflagen warten dürfen, es dauert eben schon einmal 30 Jahre (und mehr) post mortem, bis sich die Verstrickungen auflösen.




Keine Kommentare: