Freitag, 2. Januar 2009

10% gelesen | Skandinavische Kollaborateure

Es ist der 2. Januar, eigentlich wollte ich gestern schon damit anfangen, doch waren mir - weil die Zentralheizung ausgefallen war - die Finger etwas zu klamm für diesen „guten Vorsatz fürs neue Jahr“: Von nun an möchte ich jeden Tag ein Buch zur Hand nehmen (Urlaubs- und Krankheitstage vielleicht ausgenommen), das sich in meinem Regal findet. Es darauf prüfen, welchen Wert es bisher für mich hatte, kurze Notizen dazu hinterlassen ...

Und zur Bereicherung der Unordnung im Internet werde ich jeweils den vierten Satz der 123. Seite zitieren, sofern das Werk so viele Seiten hat:
„Der schwedische Forscher Martin Fritz behauptet, die Alliierten hätten die Bedeutung der SKF-Kugellager für Deutschland übertrieben, obwohl er zugab, dass zeitweise ein großer Mangel an speziellen Kugellagertypen auftrat.“

Um Fragen wie diese geht es im vorliegenden Buch: Welchen Beitrag haben die neutralen Staaten - in diesem Fall: Schweden - während des Zweiten Weltkriegs für die Kriegswirtschaft Nazi-Deutschlands geleistet? Wie gelang es ihnen damals und teilweise bis heute, ihre Kollaboration zu verheimlichen?

Ein Grund dafür, dieses Buch nur querzulesen lag - neben den üblichen Gründen für ober- oder schrägflächige Lektüre - wohl darin, dass ich mich mit der Vernetzung der sogenannten Neutralen mit dem Nazi-Reich schon ein wenig beschäftigt hatte.

Das neuerliche Zurhandnehmen ist indes schon allein wegen des Zufallsfundes auf Seite 123 von Wert. Jörg Friedrich, der sich intensiv auch mit dem Bombenkrieg und den Folgen für deutsche Städte und ihre Bewohner befasst hat, erwähnt - wenn ich mich recht erinnere -, dass ein einziger effektiver Bombenangriff auf die deutsche Kugellagerproduktion in Schweinfurth für ein schnelleres Kriegsende nützlich gewesen wäre. Ihm dient dies wohl als Kontrapunkt zu seiner Kritik am Bombenterror, dem die Zivilbevölkerung ausgesetzt war.

Mir gibt es gerade die Assoziation ein: „9/11th“ war vielleicht wirklich in erster Linie ein Medienereignis - womit ich das Leid der Getöteten, Verletzten und ihrer Angehörigen nicht entwürdigen will -, ein koordinierter Angriff auf das Herzstück der westlichen Wirtschaft - damals Kugellager, heute Mikroprozessoren - war den sogenannten „radikalislamischen“ Terroristen wohl nicht spektakulär genug.

Daten: Gerard Aalders & Cees Wiebes | Die Kunst der Tarnung | Die geheime Kollaboration neutraler Staaten mit der deutschen Kriegsindustrie - Der Fall Schweden | Frankfurt am Main | Zweitausendeins | 1. Auflage 1994 | 284 Seiten | In meiner Bibliothek seit dem 27.01.1996

Werbung in eigener Sache:







1 Kommentar:

Korrektiv & Ergänzung hat gesagt…

In der ZEIT fand sich am 29. August 2002 der Artikel Wir waren Parasiten von Wolfgang Zank zur schwedischen Kollaboration.
Ausriss 2.611.