Donnerstag, 31. Dezember 2009

Ein schönes & gesundes neues Jahr 2010!



Ein schönes und gesundes neues Jahr 2010 wünsche ich allen, die dies lesen! Und einen unfallfreien Rutsch dahin - auch wenn der Rutsch woanders herkommt als vom Gleiten und das Video schon ein paar Tage auf dem Buckel hat...

Bis dann & wann, Martin Rath

Montag, 28. Dezember 2009

Früher war schlechter

„Ich sage das nicht, weil ich klüger bin, sondern weil ich Recht habe.”
Nach der Lektüre eines kurzen, hübsch bösen Telefondialogs im Bestatterweblog grübelte ich ernsthaft, aber kurz, wo ich den zitierten Satz aufgeschnappt hatte, der auch ganz gut hineingepasst hätte.

Im Netz wurde ich dann fündig bei Herrn Niggemeier.

Früher hätt's mir den Tag verderben können.


Sonntag, 27. Dezember 2009

idw für heute (11) - Internetabschaltung, Johanniskraut, Autismusursachen, Religion und Gewalt, Entscheidungskontexte, Hippel als Krankheit

Nach den Weihnachtsfeiertagen reiche ich heute - als Auwahlvorschlag - das Folgende weiter. Wenigstens mag der geneigte Leser, die geschätzte Leserin dieses Blogs damit womöglicher medialer Verdauungsprobleme Herr oder Herrin werden:

  1. Heute unkte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, man möge doch einmal spaßeshalber das ganze Internet abschalten. Woran fleißige Viren- und Trojanerproduzenten emsig arbeiten, dagegen steuern unter anderem Forscher von der TU München gegen.
  2. Man wundert sich nicht mehr, wenn es um die sogenannten Naturheilmittel geht: Selbst die Wirksamkeit des ubiquitär verbreiteten Johanniskrauts - hier behufs Missstimmung von Jugendlichen - will noch erforscht sein.
  3. Vermutlich von höherer wissenschaftlicher Potenz sind hingegen diese Studien, die sich der Antwort auf die Frage nähern, was Autismus verursacht.
  4. Eingedenk meiner eigenen, natürlich katholischen Grundausbildung möchte ich unken, dass die christliche Theologie an sich schon heftig gewalttätig ist (Gott lässt Jungfrau Sohn gebähren, soweit so hellenenfromm; 30 Jahre später: Geißel, Kreuz und Gottvaters fragwürdige An-/Ab-/Sonstwie-Wesenheit während Gottessohnes Tod). Mehr um den Faktor Gewalt in der Ausbreitung religiösen Irrsinns (auch der vorbezeichneten Sorte) kümmert sich dieses Projekt.
  5. Spannender finde ich dieses Projekt der Universität Mannheim, dem es um die Frage geht, wie Menschen Entscheidungen treffen - insbesondere was die unscheinbaren Einflüsse im Entscheidungskontext betrifft.
  6. Von Hippel - dabei dachte ich bisher an eine Lektorin, bei Kiepenheuer & Witsch (oder war's Dumont), einen Juristen der 1930 promoviert wurde bzw. den berühmten Polizeipräsidenten von Königsberg zu Kants Lebzeiten. Es gibt eine weit weniger schöne Perspektive auf diesen Namen.
  7. Ich glaube, diese Meldung ging vor Weihnachten schon in diversen Medien herum: Geschenke werden vom Beschenkten geringer geschätzt als es ihr Marktwert herzugeben nahelegt.

Dienstag, 22. Dezember 2009

DIE ZEIT vom 22.12.1999

Seit vergangenem Sonntag zaubere ich in meiner Wohnung herum, die zum Jahrendende einmal wieder gründlich aufgeräumt sein will. (Wegen meiner mitunter mangelnden Räum-Motivation schreibe ich ihr mal diese animistische Eigenschaft zu.)

Was fällt mir heute in die Hände: Die Ausgabe von DIE ZEIT, die auf den Tag genau vor zehn Jahren erschienen ist.

Weil sie - je nach Zählungsart - die letzte Ausgabe des vergangenen Jahrtausends war - habe ich sie vollständig und ungelesen so deponiert, dass der Zahn der Zeit erstaunlich wenig an ihr genagt hat.

Montag, 21. Dezember 2009

idw für heute (10)

Der geneigten Aufmerksamkeit der gelegentlichen Hineingucker anempfehlen möchte ich heute folgende idw-Meldungen der vergangenen Tage:

  1. Schizophrenie ist alles andere als eine seltene Erkrankung, wobei mir scheint, dass weniger Vorurteile als die spaßige Metaphorik - in Fällen bloß irgendwie selbstwidersprüchlicher Persönchen - einen realistischen Blick versperrt. Eine Möglichkeit, mit den Entsperren zu beginnen findet sich hier.
  2. Mich gruselt da schon mehr die Djänderei. Wobei hilfreich ist, dass oft doch nur alter Wein in neue Schläuche gefüllt wird. Könnte sein, dass dergleichen hier zu finden ist.
  3. Viel zu selten gerät die Forderung nach Integration von Menschen fremder Zunge vom politischen Irrlichtern ins wissenschaftlich Seriöse. Harte Erkenntnisse zum Spracherwerb aus Frankfurt am Main.
  4. Etwas weniger sprachfaul hätte diese Pressemitteilung aus München ausfallen können. Oder wissen Sie, was „elektive Eingriffe“ sind? Wenn Angela M. nicht wiedergewählt wird? Gut, dass wir hier im Internet sind: Da!
  5. Hätten das mal die Stauffener gewusst.
  6. Eine spannende Perspektive schenkt das hier vorgestellte Buch: Aus welchen Steinen bestehen eigentlich unsere Städte? Gehört daher hierher.
  7. Muss gestehen: Ginge es nach mir, gäbe es diesen Forschungszweig nicht, lasse ich den erforschten Charakter-Typen doch gerne die Luft heraus. Andererseits: Was treibe ich denn mit diesem Blog?

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Gekuckt & ungekuckt Ikea-Werbespot



Im Fernsehen war mir dieser Werbespot nicht begegnet. Heute hörte ich von ihm. Er passt nicht wirklich in dieses Blog, aber es darf hier ja auch einmal etwas anderes hinein als meine übliche Gift-&-Galle-Ausschwemmung bzw. die holde Wissenschaft.






Mittwoch, 16. Dezember 2009

idw für heute (9) - *Bielefelds mutmaßliche Partnerstadt, Sprachschnitzer Ethikrat, Sprachpolitik Schweiz etc.

Für heute möchte ich die Aufmerksamkeit meiner Abermilliarden potenzieller Mitleser auf folgende idw-Meldungen lenken:

  1. Bekanntlich ist die Existenz der Stadt Bielefeld zweifelhaft geworden, seitdem an einem gleichnamigen Ort der Hexenmeister und Heilige der deutschen Sozialphilosophie, Niklas Luhmann, dort sein Handwerk vorerzerpiertexerziert hat, das viel mit Virtualistät oder sowas ähnlichem zu tun hatte. Als Partnerstadt für *Bielefeld, der Asterix ist bei den Linguisten geklaut, käme eigentlich nur das bewunderungswürdige Städtchen Kitzej in Frage, das einst den Tartarenhorden pragmatischer widerstand als Schütze Luhmann der US-Army.
  2. „Ethikrat weist Kritik an Stellungnahme zur anonymen Kindesabgabe zurück“, lautet die Pressemitteilung der staatlich bestallten Obermoralreflektoren, worin ich einen sprachlichen Schnitzer vermute: Kritik zurückzuweisen, das hieße: nicht die Argumente zu widerlegen. Das wäre diskursethisch etwas unfein. Das Ausmaß der Diskussion finde ich, angesichts der Größe des Problems hierzulande, übrigens etwas überbordend. (Wobei mich gerade eine innere Stimme darauf hinweist, dass „überbordend“ eine Assoziation auf Moses im Schilfkörbchen erlaubte, doch schenke ich mir das hier mal lieber.)
  3. Mit einem schadenfrohen Kichern verfolgte ich unlängst eine Sendung aus dem Schweizerfernsehen, in der die Probleme mit den neumodischen „Navis“ dargestellt wurden: Weil sich in der so genannten Deutschschweiz hinter jeder Hütte ein Eingeborener finden lässt, der sich weigert, sein Idiom zumindest ähnlich dem des Ureinwohners drei Hütten weiter zu artikulieren, hat man natürlich auch bei geografischen Standardisierungen so einige Probleme. Und folglich auch mit Navigationsgeräten im Chautomobbill. Vielleicht ist man allein schon daher in der Schweiz besonders sensibilisiert dafür, die ökonomischen In- und Explikationen von Sprachenpolitik wissenschaftlich unter die Lupe (oder das Hörrohr) zu nehmen.
  4. Gut, dass der hiesige Erzbischof - meines Wissens nach - keine Kinder hat, dachte ich mir angelegentlich dieser idw-Meldung. Sonst gäbe es gewiss wieder Zank in der katholischen Herde zu Köln, wer denn damit wohl gemeint sei. (Was natürlich nur eine meiner frevelhaften Abweichung von zwei heiligen Dingen ist: dem Ruf eines geweihten Mannes und dem der wissenschaftlichen Ernsthaftigkeit - aber, aber: Wartet nur ein Weilchen, dann kommt mit der Silvesterpredigt, der...)

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Nachtrag 13.54 Uhr Inzwischen veröffentlichte der Kölner Stadt-Anzeiger ein kleines Video, das darauf schließen lässt: Köln schickt sich an, den Schweizer Kommunikationswirrwarr nach Deutschland zu importierten. Man höre und staune:



Dienstag, 15. Dezember 2009

idw für heute (8) - Tanz macht Kultur kenntlich, Merseburgs sexuelle Gesundheit & Wirtschaftspsychologie, Juristenfälle mit anderen Mitteln


Für heute anempfehle ich den Milliarden potenzieller Leser dieses Blogs (ja ja, so ist das: die Dunkelziffer jedes Potenzials lädt zu den schönsten Träumen ein) diese Handvoll idw-Meldungen:

  1. Menschen erinnern sich - je nach Kultur - unterschiedlich an ihre Körperbewegungen, zum Beispiel beim Tanz. Eine Erkenntnis, die Ma(r)x Plancks vergeistigte Erben das Tanzbein schwingen ließ.
  2. Der demnächst Ex-Chefredakteur der Zeitschrift Focus ließ einst der Titanic die auf das Wort „Zicken“ gereimte Parodie („F....., f....., f..... - und niemals an den Leser denken“) verbieten, was hier nicht wiederholt werden soll, mich aber zum ersten Kalauauer des frisch heranbrechenden Tages führt: „Sexuelle Gesundheit im Fokus“ kam mir als Überschrift einer Pressemeldung aus Merseburg merkwürdig vor.
  3. Hielt man früher Menschen, die in der Öffentlichkeit mit sich selbst sprachen, für leicht irre, hat die Ohr-Kehlkopf-Verstöpselung des Händies inzwischen ja schon zu einer gewissen Gleichberechtigung zwischen normalen Irren und bloß indezent Kommunikationssüchtigen geführt. Die Fraunhofergesellschaft arbeitet nach eigener Auskunft daran, das Problem auf die Handfuchtler auszuweiten.
  4. Sollte ich den Sinn des erfolgreichen MBA-Studiums richtig verstanden haben, so liegt er im Pfadfindersommerlagereffekt: Man sperre eine Gruppe Menschen für eine Weile zusammen, damit sie ihre weiteren Lebenswege ein wenig miteinander verkuscheln vernetzen. Offenbar brauchen auch künftige Wirtschaftskapitäne ein wenig menschlicher Wärme, die sie in so genannten „MBA-Schmieden“ rudelweise bekommen. (Ob sie die Inhalte eines MBA-Studiengangs brauchen? Ich zweifle. Wären sie sonst auf die bizarre Idee gekommen, Wirtschaftskapitän werden zu wollen?) Kurz und gut: Ob ein MBA-Fernstudiengang wirklich funktionieren kann, wenn menschliche Wärme sich auf dem Postweg verliert, finde ich bedenklich. Koblenz schreckt das nicht. Aber in Weinbauregionen hat man vermutlich als Akademiker eh ein bisschen Abscheu vor zu viel Menschelei.
  5. Ein bisschen habe ich den Eindruck, dass die Wirtschaftspsychologen mit empirischen Methoden die blödsinnigen „Fälle“ („Tante A ist tot, wie zanken die Erben Y und Z?“) aus dem Jura-Grundstudium nachspielen, um so zu ihren Daten zu kommen. Immerhin kommt dabei - wie hier in einem Fall aus Kaiserslautern - harte Wissenschaft dabei heraus - statt weiterer armer Anwälte.
  6. Ein bisschen boshaft möchte ich bei dieser Meldung Chemnitz wieder in Karl-Marx-Stadt umbenennen. Irgendwie hat das etwas Schildundschwerthaftes an sich.
  7. Wobei die letzte Bemerkung natürlich und wirklich nur boshaft sein kann. Schließlich braucht es in einer freien Gesellschaft keines staatlichen Apparates, um die Persönlichkeit von Menschen durchleuchtfähig zu machen. Man arbeitet schon ein bisschen selbst daran.
Gut, ich habe für heute eine Handvoll Meldungen versprochen. Daraus ist nichts geworden; ich leide nämlich nicht an überschüssigen Gliedern:











Montag, 14. Dezember 2009

Kernkraftplanung: Entglüh im Glanze dieser Zahlen ...?

Ich fürchte, hier hat entweder die wirtschaftsfeuiletonistische Zeitschrift Brand Eins in ihrem Mai-Heft ganz gruseligen Quatsch geschrieben oder die journalistische Zunft perpetuiert fortwährend PR-Propaganda - sei es der Atomindustrie, sei es ihrer notwendigen PR-Parasiten, also Greenpeace & tutti quanti.

In der Brand-Eins-Rubrik „Die Welt in Zahlen“ hieß es im Mai 2009:
In den nächsten 20 Jahren weltweit geplante Hochleistungs-Atomkraftwerke: 200
Zahl der Unternehmen, die die dafür benötigten, aus einem Guss hergestellten Reaktorkessel produzieren können: 1
Maximale Kesselproduktion pro Jahr in Stück: 5,5
Nun las ich vorhin im Handelsblatt, dass RWE und Eon ihre Atomenergieplanung da und dort vorantreiben. Mich wundert's & sei es nur, dass aus den „harten“ Wirtschaftsmedien noch niemand den schönschreibend-nassforschen Kollegen aus Hamburg den möglichen Fehler unter die Nase gerieben hat.

Aber vielleicht leide ich ja nur unter einem Überschuss an Entgeisterungskompetenz:








Sonntag, 13. Dezember 2009

idw für heute (7) - Bertelsmann steckt nicht hinter Weisheit und Gerechtigkeit und anderes

Meldungen von gewisser Aufmerksamkeit für heute:
  1. Zwei Statuen, die so genannte Regententugenden verkörpern sollten, werden vom Bundesverwaltungsgericht der Universität Leipzig zurückgegeben. Ehrlich gesagt, als ich die Überschrift der Meldung in der Übersicht las, dachte ich boshaft: Naja, jetzt fördert die Bertelsmann-Stiftung wohl gleich noch frühmoderne Tugenden an den deutschen Universitäten, nachdem das Ideal des norditalienischen Freelancer-Ich-AG-Unternehmertums ja von besagter Instanz förderlich befördert wurde. War dann aber viel harmloser.
  2. Schweizerinnen und Schweizer haben gewiss ein Faible für Neutralität und suchen sie selbst dort, wo man sie kaum noch erwarten möchte: im Journalismus.
  3. Wohin innovative Überschriftenvergabe führen kann: Zum Gedanken, Arbeitnehmer könnten sich bezwitschern und Bosse bezahlten Sexualaktivitäten nachgehen - auch hier gilt: War dann aber viel harmloser.

Samstag, 12. Dezember 2009

Entwerter

In der Online-Redaktion des Handelsblatts scheint schon der Wochenendschlummermodus aktiviert zu sein. Aber das entwertet gewiss nicht einen Artikel, der von den fragwürdigen Qualitäten vieler MBA-Studiengänge handelt.

Die frag-, vor allem aber merkwürdige Angewohnheit, nicht nur Kommas nach Gusto zu setzen (wobei sich mir die innere - richtige oder falsche - Logik meist nicht mehr erschließt), treffe ich bei studentischen Texten in den letzten Monaten gehäuft an - auch bizarre Großschreibungen kommen nach meinem Eindruck immer öfter vor.

In einer angesehenen Tageszeitung liest man derlei aber selten.

Freitag, 11. Dezember 2009

idw für heute (6) - Familie=Untenehmen, Versprechensbrecherhirn, Verdünnerreligion, Missionare in Stellung

Meldungen der vergangenen Tage, für die ich zumindest vorübergehendes Interesse dokumentieren möchte:

  1. Vom metaphorischen Gebrauch hat es sich zum analytischen Modell gemausert, von der Familie als Untenehmen zu sprechen. Mit welcher Reichweite? Selbst nachschauen!
  2. Da werden die überzeugten Homöopathieantipathen Blut und Wasser schwitzen, mir ist das Vorhaben, die Verdünnerreligion an medizinwissenschaftlichen Fakultäten (weiter) etablieren zu wollen, ehrlich gesagt, auch nicht sonderlich sympathisch.
  3. Viel aufgeschlossener bin ich für naturwissenschaftliche Erkenntnisse vom Menschen, die etwa - im Zusammenhang mit Aufgaben, die sich um großtechnische Systeme ranken - für unsere erfreuliche Gattung als solche überlebenswichtig sein könnten: Woran erkennt man im Gehirn gebrochene Versprechen? Interessant.
  4. Naja, noch ist kein einziger Spiegel dieses Projekts im heißen Wüstensand verbuddelt. Bin gleichwohl sehr gespannt, ob aus Desertec seriös etwas wird. Eigentlich alles zu schön, um wahr zu sein. Hoffentlich keine Nummer nach Art von Nr. 3.
  5. Natürlich ist Mission möglich, komische Frage. Ich meine dabei nicht nur die angenehme Art. Sondern sogar die esoterische (siehe oben, Nr. 2).
  6. Mainz bringt die Wissenschaft voran, ob etwa Touristen davon profitieren werden? Eher zweifelhaft: Verpackungsprobleme.
  7. Wäre der Mann katholisch gewesen, ergäben sich jetzt gewiss wundersame Heilungen rund um die hier präsentierten Gegenstände. Gut, dass er evangelisch war, so haben die kirchenähnlichen Gemeinschaften des deutschen Protestantismus neben Luther und Melanchthon wenigstens noch einen dritten Heiligen zur Anbetung.
  8. Als bei einem GRÜNEN-Parteitag im Januar ein schwuler Papa seine Töchter aus erster Ehe präsentierte, begannen meine Magengeschwüre zu gähren. Nicht, weil mich die so genannte sexuelle Orientierung anderer Menschen über Gebühr interessierte - sondern weil der Mann die übelste Medienmasche vorführte. Nun gut, soll sich die Wissenschaft darum kümmern.
Habe fertig:






Dienstag, 8. Dezember 2009

Schneller Blick ins Elektronenblatt (1) - Volker Rieble & die neofeudale Wurschtelwirtschaft

Einen Doktor Rieble erlebte ich noch als forschen Privatdozenten an der Universität zu Köln, der wenigstens einen Übungsfall - wenn ich mich recht entsinne -, damals ca. 1996, um ein xenophobes Stereotyp herumbaute. (Was eine freundliche Formulierung ist, wenn in einem Mietrechtsfall blöde Ausländer die Mietsache durch Grillen im Wohnzimmer beschädigen.)

Bei der Lektüre seiner arbeitsrechtlichen Glossen in der großen deutschen Tageszeitung aus Frankfurt am Main (dank der verheerenden und leutvertreibenden Tätigkeit des Dumont-Konzerns wird es bald ja im engeren Sinn wirklich nur noch eine geben, die Frankfurter Rundschau wird es jedenfalls nicht mehr sein) hinterließ der nunmehr auch professoral firmierende Doktor Rieble zwar auch noch einen recht forschen Eindruck, politisch korrekt (und ich bin gar nicht einmal besonders linksgestrickt) die Nase rümpfen brauchte ich dabei jedoch nur noch selten.

Kräftig beipflichten mochte ich indes erstmals heute, in diesem Stück über die problematische Systemkonformität des Kurzarbeitergeldes in unserer hübsch neofeudalen Wurschtelwirtschaft, die bloß noch von besonders blöden Böcken als „Kapitalismus“ geziehen wird.


Samstag, 5. Dezember 2009

idw für heute (5) - Nach uns die Sintflut, ein wissenschaftlicher Standard

Gestern war ich zu einer Feldforschung in Sachen „Alterungsprozesse humanoider Biotope“ in einer Eifeler Kleinstadt unterwegs, zu Deutsch: beim Geburtstag meiner älteren Schwester; vorgestern war ich eher faul, darum gibt es heute gleich einen größeren Aufguss von Meldungen des informationsdienstes wissenschaft, idw:

  1. Sympathisch sind sie mir, soweit ich recht vermute, allesamt nicht, die Organisationen, Personen, Publikationen, die in den deutschen Verfassungsschutzberichten aufgelistet sind. Als Eckpfeiler der Meinungsfreiheit dürften sie indes kaum gelten, die jährlichen Gesinnungstestate, die hier im Zentrum der rechtswissenschaftlichen Kritik stehen. Ein Ende werden sie wohl so schnell nicht finden, steht doch auf Nr. 1 der deutschen Wertenomenklatur die allseits staatlich zu schützende Würde, anders als im Mutterland der Demokratie, den USA (wo's die Meinungsfreiheit ist).
  2. Nicht besonders anziehend finde ich die Werke des Kölner Psychiaters und Theologen Manfred Lütz, der für meinen Geschmack manches psychosoziale Problem nicht äätäpötääte genug behandelt (na ja „behandeln“ wird er sie kostenpflichtig als Arzt wohl schon, ich meine seine schriftstellerischen Auslassungen), ein lützsches Naserümpfen umkräuselt jedoch auch die Mitte meines Gesichts, wenn ich lese, dass das schwindende Vertrauen in die Ärzteschaft hier als „Glaubenskrise“ tituliert wird.
  3. Geradezu theologische Entgleisungen wiederum verdient der zentrale Gegenstand aller Theologien, also: der Mensch. - Jedenfalls wenn man der harten Psychologie dieses so genannten Geschöpfes glaubt, die dem Homo ludens kein gutes Zeugnis ausstellt. Hier: für gutes Tun tut der Spieler wenig. oder Nach mir die Sintflut.
  4. Entfernt verwandt damit: Höllenzeugs. Über die Motive etc. der Online-Gamer.
  5. Dass das moralische Sturmgeschütz der Bill-Clinton-Administrations-Ära ne kölsche Jung -also ein fröhliches Wesen aus der Stadt Köln - ist, wusste ich gar nicht. An der Universität zu Köln erhält Amitai Etzioni den Meister-Ekkehard-Preis (in der Uni Orthografie allerdings ohne Binde Striche). (Kalauerfan, der ich bin, muss ich natürlich erwähnen, dass Bill Clinton selbst eigentlich der typischere kölsche Jung war.)
  6. Neue Chancen für Lungenkrebspatienten dank verbesserter Strahlentherapie. Da mache ich keine Scherze.
Noch müde von gestern und darum schnell schließend:






Donnerstag, 3. Dezember 2009

idw für heute (4) - Kalauer

Ob meine Umwelt darunter leidet, dass ich keinen halbwegs brauchbaren Kalauer auslasse? Bei dieser Überschrift in meinen idw-Feeds musste ich tatsächlich als erstes an eine bizarre Sport-Liga denken:
Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutsche Hypertonie Gesellschaft schreibt fünf Forschungsstipendien aus

Wie gut, dass gerade kein Mensch in der Nähe war, sonst hätte sich der drückende Kalauerzwang schlagartig evakuiert. *)


*) Das Wort „evakuieren“ geht mir seit gestern durch den Kopf, weil sein richtiger Gebrauch in der fünften Staffel von „The Wire“ auftaucht.

Freitag, 27. November 2009

idw für heute (3) - Buchwurmelite, Kriegskinder, Frauen, Frauen

Ein Häppchen Aufmerksamkeit erhalten heute folgende Meldungen des Informationsdienstes Wissenschaft:

  1. Es soll Menschen geben, die keine Bibliotheken kennen. Und solche, die sich unter Bibliothekswissenschaft bestenfalls empiriefreie Armchair-Wissenschaft vorstellen können. Ignoraten, allesamt, mehr oder weniger! Damit das kulturelle Gedächtnis nicht dement wird, forschen sogar international so genannte Elitebibliothekswissenschaftler. Potztausend! Was es nicht alles gibt!
  2. Von kriegstraumatisierten Kindern kann ich ein Lied singen. Eines von ihnen wurde Vater - meiner. Von Herzen gegönnt sei die Verleihung eines Preises der Deutschen Nervenheilkundlervereinigung zum Thema mithin Jan Tenhagen und Joachim Schmutz. Mit der weiteren Auszeichnung kann ich weniger verbinden: Flugschauopfer. Naja.
  3. Kaiserin Eudokia war vielleicht ein verrücktes Huhn! Die Gattin von Theodosios II. (gewiss einer dieser sympathischen Politiker Byzanz', die methodisch so viel netter waren als unsere heutigen), schüttelte sich aus Homers Versen eigene Literatur zusammen. Cento hieß das Verfahren. (Die Web.3-Beschwörer träumen von ähnlichen Verfahren der Sinnproduktion, hörte ich.)
  4. Ach, Frauen. Irgendwie wird mir Friedhelm Fahrtmanns Untenrumspruch immer geheurer. Auch deswegen: Frauen im Wissenschaftsbetrieb.
Martin Rath, Köln:






Marseille-Kliniken fusionieren mit Deutscher Gesellschaft für Humanes Sterben?

Die Frage in der Überschrift wäre als satirisch-ironischer Kommentar zu dieser Meldung vom heutigen Tage geeignet. - Immerhin, der neue Aufsichtsrat bringt ja ein Totenglöcklein vom Arcandor- (Karstadt/Quelle-) Konzern mit.
Jedenfalls hätte ich ein wenig gutes Gefühl, würde mir während eines Krankenhausaufenthaltes Thomas Middelhoff am Bett begegnen. (Es sei denn: als Patient im Nachbarbett - das spräche wohl für besonders hohe Versorgungsstandards.)

Donnerstag, 26. November 2009

idw für heute (2) - Heile, heile, Sex & Strom


idw-Meldungen von gestern, die heute ein wenig meiner Aufmerksamkeit beanspruchen:

  1. Unlängst machte der französische Mediziner Olivier Ameisen von sich reden, weil er, nach eigenen Angaben, mit einer Off-label-Selbsmedikation von Baclofen seine Alkoholsucht beendete. Während sich Ameisen damit anschickt, Anwärter eines wohl noch zu erfindenden Ignaz-Semmelweis-Awards für ignorierte Wissenschaftsfortschritte zu werden, taten sich echte deutsche Wissenschaftler immerhin schon zusammen, für den schnelleren Transfer medizinischer Wissenschaft in mögliche Heilverfahren zu sorgen. Immerhin konferierte man schon mal dazu.
  2. Naja, eine Zentralstelle für Leute mit hybrider Selbstvergeiltheit haben wir immerhin schon, doch die Versammlung der Psycho-Berufe mit professionellem Anspruch wird etwas anderes im Sinn haben als das oben abgebildete Hohe Haus.
  3. Nur Oma hätte gerne Enkelchen zum Bespaßen. Sonst heißt es: „Je älter ein Bundesbürger, desto weniger familienfreundlich ist die Politik, die er sich wünscht.“ Wenn ich bedenke, welchen Krach meine lieben Nachbarn heute früh bei ihren womöglichen Fortpflanzungsaktivitäten machten, dürfte ich mich allerdings auch schon mit meinen 38 Lenzen für ziemlich alt halten.
  4. Wenn Google demnächst nicht nur von unseren Privatissimeproblemen weiß, sondern auch noch, wie viel Strom wir dabei verbrauchen, wird dies vielleicht mit Projekten wie diesem hier zu tun haben.

Genug Bettflüchtersarkasmus von mir für heute:






Nun, es würde verdammt viel Arbeit


Wer erinnert sich noch - an Dubai? Nicht, dass man selbst dort gewesen wäre, so reich wie ein Kreuzfahrtrentner oder ein Kapitalmarktkreuzritter ist man ja im Zweifel nicht. - Übrigens auch nicht die Journalisten (selbst kaum die, deren Redaktion überhaupt eine Reisekasse hat).

Aber irgendwie müssen doch recht viele Schreibzünftler in den vergangenen rund zehn Jahren in Dubai gewesen sein, der erste Bericht, an den ich mich grob erinnere, stammt circa aus dem Jahr 2005, als eine Immobilienjournalistin über die gigantomanen Bauprojekte des Emirats berichtete.

Später kamen dann mediokre Magazine wie der STERN dazu, insbesondere die albernen künstlichen Inseln hatten es ja den Medienschaffenden angetan.

Was jeder, der mal selbst ein bisschen mit Finanzdingen mehr als nur zu wurschteln hatte, wohl zu jedem Zeitpunkt hätte unken wollen, kommt jetzt womöglich ans Tageslicht: Man scheint pleite zu sein.

Und ja, es wäre verdammt viel Arbeit, einmal die ganze unkritische Schreiberei der vergangenen Jahre daraufhin zu prüfen, warum eigentlich kaum jemand geunkt hat - dass nämlich der orientalische Märchenzoo vielleicht doch allzu sehr auf Sand gebaut sein könnte.

Ich habe, zugegebenermaßen, auch nur schlussredaktionell geunkt:







Mittwoch, 25. November 2009

idw für heute (1)

Aus den Meldungen des Informationsdienstes Wissenschaft, idw, die gestern in meinem Postfach aufliefen, picke ich einige von besonderem Interesse heraus:

Arbeitswelt, Suizide etc.: Angeregt durch einen Film, der unter anderem auf Arte lief, äußert sich das ISF München - Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. zur psychischen Belastung von Arbeitnehmern in IT-Branchen, die zuletzt wegen der (statistisch vielleicht gar nicht so aus dem Rahmen fallenden) „Suizidserie“ bei der französischen Telekom. Als ausgemachter Belastungsfaktor gilt hier ein „System permanenter Bewährung“. - Wie seriös ich das finde? Ich weiß nicht recht. Standen beispielsweise einst strebsam unter Gottes Bewährungsaufsicht höchstselbst stehende Protestanten (insbesondere die seelisch geknechteten Kalvinisten) stärker unter Suiziddruck als die fröhlichen Katholiken? Meinen Horizont übersteigt das etwas.

In Stein meißeln und Rupert Murdoch auf die Füße fallen lassen sollte man vielleicht diese Stellungnahme der Gesellschaft für Informatik e.V., auch wenn sie nicht direkt mit den aktuellen Googleabschaltplänen in Verbindung steht.

Besonders gerne lese ich, dass die Textilforschung der stinkenden Umwelt menschlicher Natur möglicherweise die Achseln verduften wird. Gegenüber stinkenden Menschen bin ich ja sogar manchmal sehr nachtragend.

Das war mein viertelstündiger Ausflug in die Wissenschaft für heute:








Freitag, 20. November 2009

Doof, doof - rotschopfdoof

Ich lese eben die Kritik von Sascha Lobo an einem Artikel von Kurt Kister in der Süddeutschen, aus dem die Ironie ob der Medienpräsenz von Karl-Theodor Guttenberg nur so heraustropft und denke nur so bei mir: Die SPD ist verloren, wenn sie solche Vordenker hat. Von wegen: Textkompetenz kommt vor Medienkompetenz.

Darauf verwette ich meinen Skalp:



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Nachtrag 07.12.2009

Der Gerechtigkeit wegen darf man nachtragen, dass Sascha Lobo im SPIEGEL von heute bekennt:
Ich bin kein Experte im Erkennen von verborgener Ironie, aber ich könnte mir vorstellen, dass Platon hier [in seiner Beschwerde gegen die kulturbedrohende Erfindung der Schrift, MaR] die Klage über den Fortschritt der Kulturtechnologie ad absurdum führen wollte – vor bald 2400 Jahren.

In einem Essay notiert dies Lobo, in dem er der Kulturkritik von Frank Schirrmacher a.a.O. ganz ordentlich eins entgegenzimmert.
Das finde ich hübsch.

Mittwoch, 18. November 2009

Financial Times Deutschland - einfach nur geklaut

Kein feiner Zug ist es - zumal angesichts allerlei Schmähungen der Online-Publizistik aus den Reihen der papiergebundenen Journalisterei - aus einem Blog zu nehmen - ohne einen Nachweis zu geben. So geschehen heute in der FTD, die in

Fünf Beispiele, die Übersetzer verzweifeln lassen

eindeutig aus dem höchst löblichen „Urban Word of the Day“ englische Ausdrücke neuerer Art hervorkramt, allerdings nicht angibt, dies zu tun.

Sonntag, 15. November 2009

Religionsspötter



Vorgestern fragte mich meine Schwester telefonisch, ob ich einen Ausdruck wüsste, der Menschen bezeichnet, die über alles spotten, was anderen Menschen heilig sei. Es gehe da um solcherarten Zeitgenossen in ihrer Nachbarschaft.

Unerfindlich, warum ich wegen solcher Fragen angerufen werde. Eine Antwort hatte ich nicht parat, mir ist auch kein gebildeter - also aus dem Griechischen oder dem Latein überkommener - Begriff geläufig. Auch beim Googlen von „Religionsspötter“ fand ich keinen. Interessant immerhin, dass der Freiherr Knigge ein erfrischend doppelzüngiges (Non-) Placet zur Religionsspötterei hinterließ. (Erfrischend natürlich nur, wenn es kein Freimaurermoralismus ist, den man bei ihm ja auch unterstellen dürfte.)

Und Jean Paul (Bild oben) ist natürlich witzig, wenngleich ich das Bild nicht ganz verstehe.
Vermutlich ein Fall von Sonntagmorgenblödigkeit.




Mittwoch, 11. November 2009

Monheim am Rhein kann nur noch beten (und singen, bitte!)


Link zum Video

(Mit wenigen Textänderungen sollte dieses Lied doch gut vom Monheimer Stadtrat intoniert werden können!)

Heute schon früh in der Rheinischen Post gelesen. Soll ja gut für den Blutdruck sein. Steigernd jedenfalls. Dann doch herzlich gelacht.

Der jungspundige Bürgermeister von Monheim (das seit einigen Jahren eigens darauf hinweist, dass es am Rhein liegt - vermutlich weil man dort fürchtet, auch in dieser Hinsicht demnächt auf dem Trockenen zu sitzen) streitet wider einen GRÜNEN-Ratsherrn, der wiederum dagegen eintritt, dass die Ratssitzungen der „Gänselieslstadt“ mit einer ökomenischen Gebetsveranstaltung eröffnet werden.

Dazu berichtet die Rheinische Post - hier - in der gewohnt objektiven Form, in der natüüüürlich alle beteiligten Personen fair zu Wort kommen.

Als gebürtiger Langenfelder muss ich darüber natürlich lachen, bleibt dem fast völlig bankrotten Monheim am Rhein doch bei Licht besehen kaum etwas anderes, als zu weltfernen, höheren Mächten zu beten.

(Das oben eingeklinkte Video ist die christliche Botschaft zu den Wochen der Gänsequälerei. Hat natürlich nur bedingt mit Monheim zu tun. Vielleicht singen die Gänselieslstädterinnen und Gänselieslstädter den frommen Text ja bei ihrer Andacht. Das würde mich auch sehr freuen.)

Martin Rath (stürze mich gleich zum Arbeiten in die finstre, finstre Nacht):


Donnerstag, 5. November 2009

70-100 Prozent gelesen Wessen Freund, wessen Helfer?


Mit der NS-Geschichte Kölns habe ich mich bisher kaum, schon gar nicht systematisch befasst. Immerhin hat dies die Polizei getan - leider nicht durch Ermittlungsverfahren zu Zeiten, in denen man Tätern noch hätte habhaft werden können, aber immerhin mit einem historischen Werk, das sich mit der eigenen NS-Verstrickung befasst. „Verstrickung?“ - vielleicht ein schwacher Begriff, denn in vielem war die Polizei Fleisch vom Fleische des NS-Staats.

Wie in anderen Bereichen der deutschen Gesellschaft vor 1933 - man denke etwa an so genannte „eugenische“ Ansätze unter Medizinern, ja sogar katholischen Theologen - wurden auch in der Polizei Ansätze, die bereits vorhanden waren, radikalisiert und auf mörderische Weise umgesetzt, sobald das Placet von Seiten der Staatsführung gekommen war. Für die Polizei waren dies vor allem etwa Möglichkeiten der so genannten (spezial-) präventiven Verbrechensbekämpfung, die auch in Köln hunderte von - überwiegend wohl völlig harmlosen - Menschen als potenzielle (Berufs-) Verbrecher ins KZ brachten. (Vor 1933 polizeilich gewünscht, zwischen 33 und 45 in die mörderische Praxis umgesetzt - nachgeträumt von einer SPD-„Mutter des Grundgesetzes“.)

Die Reproduktion von amtlichen Dokumenten aus der NS-Zeit wecken im vorliegenden Band Erschaudern, man beachte die Wortwahl im oben abgebildeten Ausriss - um so ärgerlicher ist es, wenn dabei (siehe oben Rotmarkierung wegen fehlender Schwärzung) nicht sorgfältig gearbeitet wurde. Arge Typografiefehler sind mir in dem Buch auch ins Auge gesprungen.

Insgesamt aber, trotz mancher handwerklicher Schwächen, ist dies wohl ein tragendes Werk zur gar nicht lieblichen kölschen Heimatgeschichte:
Harald Buhlan & Werner Jung
Wessen Freund und wessen Helfer?
Die Kölner Polizei im Nationalsozialismus
Köln (Emons) 2000
675 Seiten
Stadtbibliothek Sig. Ncm 3 (Mülheim)
--- Martin Rath, Schnellbesprechung ---













Samstag, 24. Oktober 2009

Falsche Aussage

Diesen Satz musste ich mehrmals lesen:
Kunden, die Artikel von diesem Wunschzettel gekauft haben, kauften auch...

Richtig müsste er lauten:
Kunden, die Artikel gekauft haben, die auf diesem Wunschzettel zu finden sind, kauften auch...
Amazonenlegasthenie womöglich. Womit dieses Posting hoffentlich wenigstens einen Neologismus ins Netz gehäkelt hat.






Freitag, 16. Oktober 2009

Probe

Einmal schauen, wohin das führt, diesen Link hier hereinzustellen.
Mikroskop, Kinderwerkzeug, Spielzeug, Optik.

Freitag, 9. Oktober 2009

Geldverlust ist schlimm - schlimmer noch die Filme - boshafter Einfall


Heute morgen las ich schon die Papierfassung des Artikels im Handelsblatt, derzufolge sich ein ein nicht unbedeutender Filmfonds im Gewirr von Habgier und Steuerrecht verstolpert hat.
Nun verfüge ich glücklicherweise (?) nicht über so viel, zu viel Geld, als dass ich es in Geschäften ohne Gewinnerzielungsabsicht verpulvern könnte. Allerdings leide ich natürlich unter der Qualität der Filme, die hierzulande mit dem solcherart zusammengeklaubten Geld fabriziert werden.

So brachte mich die Meldung auf einen Gedanken von mehr boshaftem Mehrwert: Sagen wir einmal, eine Schauspielerin von - so finde ich - sehr überschaubarem Talent ist mit dem langjährigen CEO eines größeren Finanzdienstleisters liiert.

Kurz und boshaft gefragt: Investiert Carsten Maschmeyer vielleicht nicht nur in problematische Sozialdemokraten und die intellektuelle Entwicklung Niedersachsens, sondern auch in Filmfonds, die das dramaturgische Überleben überschaubar begabter SchauspielerInnen ermöglichen?

Boshaft am Freitag:





Dienstag, 6. Oktober 2009

Schweiz verlegt Reichskristallnacht auf den 9. September

In der Neuen Züricher Zeitung las ich vorhin (Stand 7:22):
Für die deutsche Geschichte war freilich nicht nur der 9. September 1989 bedeutend, an dem die Berliner Mauer fiel, sondern auch der 9. September 1938, als in der «Reichskristallnacht» der Krieg gegen die Juden eine neue Dimension erhielt. Die auffallende Häufung bedeutsamer Ereignisse am 9. September – aber auch am 11. September – bietet Menasse reichlich Gelegenheit, zwischen den Zeiten, Schauplätzen, Begebenheiten erhellende Bezüge herzustellen.
Tu felix helvetia möchte ich notieren, handelt der Artikel von einem Buch des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse; die irrtierenden Datierungen sind aber - womöglich und was nicht auszudenken wäre - auf dem Mist von Karl-Markus Gauss gewachsen.

Montag, 5. Oktober 2009

Statistischer Ausreißer oder öffentlicher Hype - France-Telecom-Suizide

24 Mitarbeiter der France Telecom haben sich in den zurückliegenden 18 Monaten das Leben genommen. Zu viel, um Zufall zu sein.
Diese einleitenden Worte lese ich soeben im renommierten Handelsblatt. Angesichts der dort auch genannten Zahl von 100.000 Beschäftigten des französischen Staatsunternehmens frage ich mich aber, ob 16 Suizide pro Jahr pro 100.000 Erwachsener einer gewissen Altersgruppe so dramatisch aus der Statistik herausfallen, dass sie jetzt allenthalben öffentlich breitgetreten werden müssten.

In Deutschland betrug die Suizidzahl je 100.000 Einwohner im Jahr 2007: 11,4. Dass nun 16 Todesfälle bei der France Telecom nun besonderer Anlass zur Besorgnis sein sollen - nicht dass Suizide dazu nicht immer Grund bieten sollten - leuchtet mir nicht sehr ein.

Bin aber selbst auch nicht der statistische Durchblicker:


Donnerstag, 10. September 2009

Förderung der Erreichbarkeit


Ein kleines Experiment dazu, wie weit der Durchsuchbarkeit auf die Sprünge geholfen werden kann.
Reinhold Rath, bis zum 27. Februar 1954 auch Raczinski, geboren in Danzig, seit 1946 in Langenfeld/Rhld.
Die Abbildung oben zeigt nicht RR, sondern einen Teil des Nachwuchses.

Montag, 24. August 2009

Kalauer: Urulsa Zens - Zens, Ursula - Zensursula

Ob eine jener vier Damen, die als „Zens, Ursula“ im Telefonverzeichnis zu finden sind, sich daran begeistern kann, dass ihr Name - in der süddeutschen Zitierweise Nachname, gefolgt vom Vornamen - gegenwärtig allerorten im Internet auftaucht? Zum Beispiel: hier.





Sonntag, 23. August 2009

WamS: Guttenberg sagt, er werde von den Deutschen nicht verklärt

Heute Morgen während der Presseauswertung musste ich mich zwischen Lachen und Ekel entscheiden. In der „Welt am Sonntag“ war ein Interview abgedruckt - mit einem fetten Foto, das unseren amtierenden Bundeswirtschaftsminister am Lenker eines schnittigen Automobils auf dem Hof seiner Behörde zeigte.

Offenbar identisch steht es auch in der qualitativ ähnlich hochwertigen „Hamburger Morgenpost“ online. In der WamS titelte man damit, Guttenberg fühle sich von den Deutschen nicht verklärt. Was ja immerhin ein bisschen Realismus verrät, hochgejazzt wird der Mann ja ziemlich ausschließlich von Medienvertretern (und natürlich dem geltragenden Nachwuchs der bayerischen Unionschristen).

Der - im Vergleich zur MoPo - lustige WamS-Titel stützt sich auf die folgende Passage. Überflüssig zu erwähnen, dass ich - würde ich ein solches Frage-Antwort-Liebesspiel mit einer durchaus kontroversen Figur des öffentlichen Lebens geführt haben, mich des Abdrucks schämen würde:

Berliner Morgenpost: Trotz der aktuellen Kritik gehen Sie als makellos durch. Kann es in der Politik so etwas geben?
Karl-Theodor zu Guttenberg: Nein.
Berliner Morgenpost: Verklären die Deutschen Sie?
Karl-Theodor zu Guttenberg: Nein, sicher nicht.
Berliner Morgenpost: Sind Sie zuversichtlich, dass die weltweite Wirtschaftskrise zu einem guten Ende kommt?
Zwischen Lachen und Ekel schwankte ich, weil die Fragen in diesem Interview vom genialischsten deutschen Journalisten aller Zeiten, dem coolen Doktor, also von Ulf Poschardt gestellt wurden. Hätte ich die Nachdruckrechte an diesem Interview, würde ich hier titeln:





Und, weil es so schön anzuschauen ist, auch noch einmal der Beweis dafür, dass die AV-Medien noch schlimmer sind als die Kollegen vom Print-Betrieb:



Montag, 3. August 2009

Schon wieder, Precht

Richard David Precht hat eine Menge sinnvoller Dinge geschrieben, über manches, was etwas aus dem Mainstream heraustrudelte habe ich mich auch sehr gefreut. Beispielsweise über jene Stelle in seiner „Lenin-Biografie“ in der auf die (agent-) orangefarbenen Flecken auf der sonst so moralin-gestärkten Weste von Richard von Weizsäcker hinwies.

Inzwischen verstören mich die knödelblöden Bemerkungen, die sich in beinah jedem Text finden, den Precht publiziert. Ich denke da an gewisse Formulierungen zur „artgerechten“ Erziehung oder Sexualität, die sich ein wirklich scharfer Intellekt eher nicht erlauben sollte.

In der heutigen Ausgabe des SPIEGEL findet sich, in einem Artikel, der sonst durchaus Beifall verdient, der folgende, ziemlich hanebüchene Satz:
Aber erst wenn die Soldaten verschwinden, wird der American Way of Life, die erfolgreichste Massenvernichtungswaffe des 20. Jahrhunderts, auch in den Hochburgen der Fundamentalisten erfolgreich zünden.
Aha. Der „American Way of Life“ ist also „die erfolgreichste Massenvernichtungswaffe des 20. Jahrhunderts“?

Ich fürchte, aus rein ökonomischen Gründen werde ich zukünftig die Buchstabenfolge p, r, e, c ,h, t als Markenzeichen für ärgerlichen Unfug werten - und jene Texte, die sie über- oder unterschreiben, ungelesen lassen.




Seite 123 Deutsche Richterschaft 1919-1945 von Ralph Angermund

Ralph Angermund | Deutsche Richterschaft 1919-1945 | Frankfurt am Main | Fischer | 1990 | 281 Seiten | in meiner Bibliothek seit dem 15. Mai 1996

Das Verfahren, den vierten Satz von der 123-sten Seite zu zitieren, bringt manchmal hervor, was für ein ganzes Buch steht. Hier ist das der Fall:
Das Landgericht Köln entschied am 11. Mai 1938 in einem dieser Fälle, daß deutschen Mietern eine Hausgemeinschaft mit Juden nicht zuzumuten sei.
Nach 1945 gehörte es zur kaum mehr zu überbietenden Perfidie deutscher Juristen, dem angeblichen Positivismus der Richerschaft anzulasten, dass diese den gesetzten - also so genannt „positiven“ - Normen des NS-Legislativapparats blindlings Gehorsam gezeigt hätten.

Angermund zeigt - auch an der genannten Stelle -, dass die Juristen vor 1945 durchaus weit über die Perfidie der NS-Legislatur hinausgingen. Zum Beispiel durch den Ausschluss jüdischer Juristen, weiter noch als es die rassistische Gesetzgebung ohnehin schon vorgesehen hatte.

In Köln stolpert man heute über die Gedenksteine, die auch an die Opfer der oben zitierten Bösartigkeit in juristischem Gewande erinnern.
Dass man seinerzeit etwa in rechtshistorischen Vorlesungen über treffende Aussagen zur braunen Rechtsgeschichte gestolpert wäre, daran kann ich mich nicht erinnern.









Kaum zu überbieten, ich vergaß es oben zu notieren, war das eingangs erwähnte Argument deshalb, weil der Umbau zur Grundgesetzkonformität der Rechtsordnung auch durch eine Abkehr von einer positivistischen Methodenlehre erfolgte, die doch eigentlich dem Demokratiegedanken - der wortlautnahen Umsetzung demokratisch und legal zustandegekommener Gesetze - viel eher entspräche als das hM- und Hermeneutikorakel der real existierenden Justiz.

Sonntag, 2. August 2009

Satz 4 von Seite 123 aus der Kognitiven Psychologie

John R. Anderson | Kognitive Psychologie | Heidelberg & Berlin | Spektrum Akademischer Verlag | 3. Auflage | 2001 | Übersetzer: Ralf Graf & Joachim Grabowski | 542 Seiten

Ja, zwei Semester Pädagogik habe ich auch auf dem Kerbholz, der Kurs in kognitiver Psychologie war auch hübsch anspruchsvoll - kein Vergleich zu den laberigen Philosophen der akademischen Pädagogik, die so lasche Wissenschaft betrieben, dass sich manch einer meiner Zweitbildungswegslehrer dafür geschähmt hätte.

Spektrum spielt mit diesem Band keine dumme Vermarktungsstrategie aus, inzwischen ist die 6. Auflage auf dem Markt. Für seriös studierende Psychologie-Anwärter sicher sinnvoll, für alle akademischen Nebenfächler und -interessenten ist die rasche Folge von Auflagen aber wohl vor allem in den (Geld-) Beutel schneidend: Wie die Vorauflage noch zu adäquaten Preisen absetzen?

Nun, hier der Satz 4 von Seite 123, den ich vor allem aus eigenen Vermarktungsüberlegungen motiviert zitiere:
Komplexe mentrale Bilder werden oft zerlegt.
Nun, hier zum Vermarktungsinteresse:








Montag, 20. Juli 2009

Guttttenbergwitz

„Mir fehlt übrigens ein wenig das Tragische. Gibt es in der Adelsfamilie denn keinen Gendefekt?“
Treffender Witz von „Tellerrand“ in Niggemeiers Blog zum STERN-Jubelheft über den „bayerischen Baron“.

Montag, 6. Juli 2009

100% ausdruckfähig


Dennis Knake schützt sein gleichnamiges Blog vor bösen Politikern, die - mangels Internetaffinität - seine Inhalte nur in ausgedruckter Form zur Kenntnis nehmen könnten - vor eben dem Ausgedrucktwerden.

Man muss nicht die alten Knaben Georg Friedrich Wilhelm Hegel & Denis Diderot mit ihrer Herr-Knecht-Fabel hereirufen, um zu vermuten, dass das schlaue Vorzimmerpersonal der unsäglichen Frau von der Leyen sich ungesperrt solcher Hilftsmittel wie PWYL bedienen kann.

Netter Versuch.




Sonntag, 5. Juli 2009

80 Prozent durch: Stachelmann-Krimis Bd. 1 bis 5

Christian v. Ditfurth | Lüge eines Lebens | Stachelmanns vierter Fall | Köln | Kiepenheuer & Witsch | 2. Auflage 2008 | 439 Seiten | e: 29.06.2009 | € 8,95

An den ersten drei Bänden der Stachelmann-Serie missfiel mir - weniger als anderen, ordentlicheren Rezensenten - ein wenig der überbordende Selbstzweifel des Protagonisten, sehr hingegen die kaum glaubliche zeithistorische Anlage: offenkundig in den 1990er-Jahren spielend agierten etwa im ersten Band körperlich allzu fitte Nazis und Nazi-Opfer. Realistischer zwar als in einem Indiana-Jones-Plot, aber schon hart an der Grenze.

Dem gestern und heute gelesenen vierten Fall kann man zeitlich-biografische Probleme nicht mehr vorwerfen (sieht man davon ab, dass Stachelmann hier eigentlich ein mittfünzigjähriger Habilitand sein müsste, selbst für Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler ist das dorch ein bisschen oll).

Im Übrigen stimmt manches, was man besser hier nachlesen mag. Wühlarbeit, wie sie im vorliegenden Band die ermordete Studentin unternahm, gehörte für mich bis jetzt zu jedem journalistischen Interview, das ich mit einem promovierten Zeitgenossen führte. Für Wühlarbeit zu meiner Person hänge ich meine Matte zwischen zwei Pflanzen dieser Linkplantage:












Mittwoch, 1. Juli 2009

Michael Jackson oder Charlie Chaplin?



Die überzogene Aussage im SPIEGEL von vorgestern, durch den ich gerade blättre, halte ich für ausgesprochen fragwürdig.

Dass noch keine ausgeprägten Gemeinsamkeiten zum wohl wirklich größten Star des 20. Jahrhunderts gesucht werden, in der öffentlichen Auseinandersetzung mit Herrn Jackson, finde ich merkwürdig.

Die zweifelhafte sexuelle Appetenz von Charlie Chaplin ist - öffentlich - aktenkundig. Im Fall von MJ wird es wohl noch eine ganze Weile beim Verschwörungsrummel bleiben, kaum anzunehmen auch, dass das FBI zu „Jackos“ Lebzeiten ein ähnliches Interesse an seinem Privatleben hatte, wie es dunnemals die berühmteste Primadonna der USA zeigte.

Bildquelle Charlie Chaplin: Wikipedia

Samstag, 20. Juni 2009

100% und schnell gelesen | Rita Wagner | Cöln. Die sozialen Verhältnisse um 1900

Rita Wagner | Cöln. Die sozialen Verhältnisse um 1900 | Köln | Emons Verlag | 1989 | 124 Seiten | Signatur Stadt-Bibliothek Köln-Mülheim Ncq Wagner

Kurze, kackige Auskünfte zur sozialen Lage in Köln um die vorletzte Jahrhundertwende herum. Elend, Ungleichheit und andere Voraussetzungen für die pathologische Form der Modernisierung, die eine Generation später stattfand. Allerdings: Letztere ist hier kein Thema.

Man wünschte sich noch weit mehr Detailinformationen, konstatierte Wagner 1989, dass wirtschaftliche und soziale Kenntnisse von Stadt und Region dünn gesät seien. Spannend ist das ja, beispielsweise S. 59 ff. zitierend:
Krankheiten wie Lungentuberkulose und Infektionen der Atemwege (z.B. Lungenentzündungen) traten bei Erwachsenen als häufigste Todesursachen auf. Die Lungentuberkulose wird oft als Geißel dieser Zeit bezeichnet, nachdem die Epoche der großen Seuchen in Europa vorüber war. Besonders betroffen waren Arbeiterviertel. In Köln wurde die Tuberkulose vorwiegend in Ehrenfeld und Nippes sowie in LIndenthal mit seiner Krankenheilanstalt beobachtet. Ehrenfeld nahm auch einen Spitzenplatz bei den g e w a l t s a m e n T o d e s f ä l l e n ein: Von 1087 gewaltsamen Toden zwischen 1906 und 1910 entfielen allein zehn Prozent auf diesen Vorort.
Das sind bei der Lektüre von Zufallsfunden wie diesen - aus der Stadtteilbibliothek in Mülheim - gerade diese hübschen Nebenbemerkungen, Zufallsfundnebenbei, die sie lohnen:

Wie viele gewaltsame Todesfälle wird die Stadt Köln wohl in der Periode der Jahre 2006 bis 2010 zu verzeichnen haben? 2.174 vielleicht - Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung, der inzwischen verdoppelten Bevölkerungszahl angemessen? (Eigentlich müsste die „Hochrechnung“ noch grässlicher ausfallen, enthält die ältere Zahl ja wohl die damals noch selbständigen Ortschaften Mülheim am Rhein und Porz noch nicht.)

Nein, 2.174 Mord- und Totschlagsfälle wird die Kriminalstatistik für Köln - 2006 bis 2010 - nicht ausweisen. Weil unsere Gesellschaft eben nicht immer krimineller wird, sondern eher friedlicher geworden ist.

Aus diesen Zahlen kann man sich also durchaus einen Knüppel schnitzen, den man rechtskonservativ-reaktionären Herren aus dem politischen Betrieb gerne um die Ohren hauen darf. Natürlich rein virtuell.






Dienstag, 16. Juni 2009

Nexös Überfluss

„Mein Name ist Rask“, sagte er und verbeugte sich tief.
demonstriert Satz 4 von Seite 123 die Umgangsformen der vorletzten Jahrhundertwende. Bis zur nächsten sind sie hoffentlich wieder eingeführt, auch wenn der Topos dieses Romans nicht sehr frohgemut ist, schon für dunnemals:

Martin Andersen Nexö | Überfluss | Reinbek bei Hamburg | 1988 | Rowohlt | 382 Seiten | e: 09.07.1993





Montag, 15. Juni 2009

Martin Andersen Nexö | Die Familie Frank

Im Dunklen liegen die Motive, welche den Rowohlt-Verlag veranlassten, einen Titel in seine Jahrhundert-Reihe aufzunehmen. Martin Andersen Nexö hatte gewiss eine interessante Biografie, so recht erwärmen konnte ich mich indes aber nicht für:

Martin Andersen Nexö | Die Familie Frank | Reinbek bei Hamburg | Rowohlt | 1988 | e: 9. Juli 1993

Seiner kommunistischen Kofession hat Andersen Nexö seinen letzten Wohnsitz zu verdanken, wo er 1954 starb. Beim Biografienachblättern fallen mir zwei Fragen ein:

  • Ob ich es noch einmal erleben werde, dass die Volkshochschulen in Deutschland den Status bekommen, den sie zu Andersen Nexös Zeiten in Dänemark hatten - Sprungbretter für die Arme-Leute-Schicht der Gesellschaft waren sie, nicht Esoterik-Akademien für gelangweilte Wohlstandsbürger? (MAN absolvierte an einer Bauernvolkshochschule eine Lehrerausbildung.)
  • Ob in Dresden und Zwickau jene Schulen, die postum nach MAN benannt wurden, nach dem Ende des SED-Staats immer noch so heißen durften?
Was fehlt jetzt noch? Zunächst das Zitat, Satz 4 von Seite 123:
Als die Hurrarufe erstarben, diesmal ohne irgendeine Disharmonie, kam Schutzmann Petersen zurück und erklärte, er könne den Missetäter nicht finden.
Die Hurrarufe werden hier übrigens auf die Verfassung Dänemarks ausgebracht, von MAN als „Grundgesetz“ bezeichnet. (Oder vom Übersetzer, was weiß ich.)
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgendeine bodenständige gesellschaftliche Versammlung unlängts Hochrufe aufs deutsche ausgebracht hätte - Bauern, Bürger, lokale Honorationen. Das blieb den ungeliebten Bundeshonorarträgern überlassen.

Genug gefragt und gezickt für heute:





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Nachtrag:

Antwort auf Frage 2!

Sonntag, 14. Juni 2009

„Ist das die heutige Abendzeitung?“ fragte er, um doch etwas zu sagen, als er sah, daß die Frau ein großes Stück Papier vorlegte.
Offenbar wirklich aus einem Märchen, diese Szene aus dem Leben des Justizrates Knap, von Hans Christian Andersens „Die Galoschen des Glücks“., denn wo, außer in Hamburg, gibt es in der Wirklichkeit noch Abendzeitungen? (Und die aus Hamburg hat mit der Wirklichkeit oft ja auch nicht so viel zu tun. Bloß mit dem Boulevard.) Und zugleich Satz 4 von Seite 123 aus:

Hans Christian Andersen | Märchen | Stuttgart | Reclam | 1998 | e: 25. Mai 2000 | DM 17,00 | 452 Seiten










Samstag, 30. Mai 2009

Wird 100% ungelesen bleiben, aber ehrlich!

Voraussichtlich im November wird im dtv dieses Buch erscheinen. Um den Screenshot oben (von der Verlagswebsite genommen) zu rechtfertigen: Hier wird man es unter anderem bestellen können.

Ich werde mir dieses Buch aber nicht antun. An dem Wettbewerb, dessen Ergebnisse 3sat unter dem semantisch angreifbaren Titel „Uns fehlen die Worte“ dokumentiert (es müsste „Wörter“ heißen), nahm ich nämlich ohne Erfolg teil.

Daher mag mein Geschmacksurteil, das ich beim Durchscrollen der „Gewinner“-Neologismen traf, von der Missgunst eines schlechten Verlierers geleitet sein; was aber den folgenden Satz nicht unwahr machen muss: Ich fand einige meiner Vorschläge ziemlich gut (es waren, glaube ich, acht oder neun); und ich finde etliche der von den Juroren bevorzugten reichlich schlecht. In einigen Fällen: äußerst.

Was also in einer Nachfolgeveranstaltung mit gleichem Ziel, Wörter für Phänomene zu finden, für die es bisher kein Wort gab, von 3sat mit in den Wörterkonkurs geworfen werden könnte:
Wie nenne ich das Gefühl, an einem Wettbewerb teilgenommen zu haben, an den ich zeit meines Lebens nicht mehr erinnert werden möchte?
Ein Wort dafür fällt mir gerade nicht ein. Als Gegentriebmittel in Sachen Buchkauf ist es auch ganz ohne Worte wirksam. Sofern ich bis November nachüble.




Dienstag, 26. Mai 2009

Hans Christian Andersen traf mal auf Thomas Hobbes

Hans Christian Andersen | Des Kaisers neue Kleider | Sieben Märchen | Stuttgart | Reclam | 1987, 1995 | e: 17.09.1999 | DM 3,--

Märchen zählen nicht zu den Stoffen, die ich besonders schätze. Ich erinnere mich entfernt an Märchenschallplatten, die meine Schwester auf ihren Plattenspieler legte - um dann kleine Angst- und Panikzustände ob des unheimlichen Stoffs zu inszenieren. Bei solch kranken Geschichten wie „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ könnte ich mich noch heute fragen, was das sollte.

Zumindest mache ich mir heute einen Reim auf den Verfasser dieses und anderer Märchen vom angstauslösenden Typus: Hans Christian Andersen war ja wohl ein vom tiefbürgerlichen 19. Jahrhundert schwerst deformierter Mensch.

Dieses Reclamheftchen kaufte ich mir Ende der 1990er-Jahre wegen des titelgebenden Märchens: Ich trug mich mit dem Gedanken, den Teilnehmern eines staatsphilosophischen Seminars einige Spiegelfechtereien bei Thomas Hobbes zu verdeutlichen; Anerkennungsprobleme haben ja nicht nur homosexuelle dänische Märchendichter (was zur psychoanalytischen Entwirrung führen mag), sondern auch jeweils jener eigentlich arme Staatsschauspieler, der die höchste Souveränität im Sinne von Thomas Hobbes' Doktrin bekleidet.

Doch dieses Kleidungsproblem (anders: jenes) ließ sich seinerzeit aber nicht nachhaltig vermitteln, im Seminar von Professor Depenheuer, Köln. Insofern war weder Ent- noch nachwirkende Verwirrung in juristischen Gefilden die Folge.

Solche 3-Marks-Probleme stehen heute aber auch nicht mehr ganz oben auf meiner Agenda: