Dienstag, 9. Dezember 2008

About Schmidt:

Ich lese gerade Bild am Montag den SPIEGEL von gestern, den ich mir aus dem Online-Angebot der hiesigen Stadtbibliothek als PDF heruntergeladen habe. So brauche ich für Bild am Montag den SPIEGEL nicht extra Geld auszugeben und kann mich an anderer Stelle großzügig zeigen, zum Beispiel hier:

Aber ich lenke vom Wesentlichen ab. Eine Ikone ist Helmut Schmidt für mich natürlich nicht, denn anbetungswürdig wäre der Herr Bundeskanzler a.D. nur unter Bedingungen, die er nicht erfüllt, in meiner politischen Sozialisation spielte er jedoch seine Rolle:
  1. Das erste im uneigentlichen Sinn „politische Ereignis“ an das ich mich überhaupt erinnern kann, war die Entführung und Ermordung des Arbeitgeber-Verbandspräsidenten Hanns Martin Schleyer, 1977. Ich träumte damals, Terroristen könnten mich I-Dotz auf dem Weg zur Grundschule überfallen, vielleicht weil auch ich „Martin“ als Vornamen trage. Helmut Schmidt, diensthabender Bundeskanzler, erwies sich nicht als Kontrahent, sondern als Feind des Terrorismus.
  2. Als 11-Jähriger hörte ich im Herbst 1982 mit heißen Ohren am Radio die Debatte, die dem konstruktiven Misstrauensvotum vorausging, mit dem der Deutsche Bundestag Helmut Schmidt mit Helmut Kohl verwechselte.
Circa 1993 habe ich als etwas nassforscher Spätpuberszent in einem Leserbrief an DIE ZEIT, der Helmut Schmidt damals schon als diensthabender Herausgeber vorstand, an einem Artikel Schmidts herumgemäkelt, in welchem er irgendwen des Machiavellismus bezichtigte. In abwertender Absicht, was Machiavelli (auch) nach meiner Überzeugung nicht verdient hat. Die Leserbriefredaktion druckte das ungekürzt ab, vielleicht wollte man dort dem Alten mal einen Tort antun.

Nun, im Alter, muss man Helmut Schmidt ja immer noch vor den Seinen schützen, beispielsweise vor dem ZEIT-Chefredakteur Giovanni Di Lorenzo, genannt „der Prächtige“. Denn nach meiner einschlägigen Überzeugung darf man Helmut Schmidt keinesfalls einen „Charismatiker“ nennen. Dann lieber gleich „Ikone“.

In der neuesten Ausgabe der Bild am Montag des SPIEGEL beschreibt man das Interview-Verhalten des alten Herrn wie folgt:
Schon die erste Frage gefiel Helmut Schmidt nicht. So könne man nicht fragen, antwortete er. Präziser bitte. Es war die ewige Wiederkehr des Gleichen, als der Altkanzler, der am 23. Dezember 90 Jahre alt wird, SPIEGEL-Redakteur Dirk Kurbjuweit, 46, vorigen Mittwoch empfing. Wann immer SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein († 2002) und Kollegen den Sozialdemokraten seit 1967 befragten, mühte der sich kaum, seine Neigung zum Oberlehrerhaften zu verbergen.
Hoffentlich keinen Oberlehrer finden Sie hier:

Keine Kommentare: