Donnerstag, 11. Dezember 2008

100% gelesen | Jochen Hörischs Eulenflugperspektive

Zugegeben, es ist wohl ein Nebenprodukt meines autodidaktischen Lernprozesses seit circa 1977: Als ich, nach dem 1995 erworbenen Abitur an dier Universität am Albertus-Magnus-Platz, Köln, ankam, wirkte die Mehrzahl meiner Kommilitonen ein wenig dämlich auf mich. Ungefähr so, wie die gesondert auf dem Faktor „bisserl blöd“ gecasteten Gäste der „Quiz-Show mit Jörg Pilawa“.

Dafür konnten meine studentischen Mit-Soldaten wenig mit mir anfangen - mutmaßlich können sie es auch nicht mit Jochen Hörischs Buch zur Rettung der Alma mater. Hörisch, dessen „Theorie-Apotheke“ ich schon in den appetitlichsten Tönen gelobt habe, singt noch einmal das Hohe Lied auf eine Universität, die man heutzutage in Gebäuden gleicher Bezeichnung eher nicht mehr findet. Es ist das Hohe Lied auf die Korporation von Lehrenden und Lernenden, das Lob einer Geisteshaltung, in der Bildung entsteht - verbunden mit Vorschlägen, wie man die moderne Akademikerverwahranstalt vielleicht wieder in einen liebenswerten Zustand zurückbefördern könnte.

Mir persönlich sind die Ideen des Mannheimer Professors Hörisch überaus sympathisch. Trotzdem: Ob man die Lektüre des schmalen Buches jungen Menschen anraten kann, die gerade erst am real existierenden Akademismus zu leiden begonnen haben? Ich zweifle. Hat das nährende Mütterchen „Uni“ nicht genug Beziehungsstress mit Bürokraten, Evaluatoren und Gleichstellungsstellerinnen? Sollte sie auch noch Liebhaber haben?

Jochen Hörisch | Die ungeliebte Universität | Rettet die Alma mater! | München & Wien | Hanser | 2006 | 139 Seiten



An der Schnittstelle von Liebhaberei & Geschäft | Gesamtmenge von Privatheit & Öffentlichkeit


Analogon zur käuflichen Liebe:

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