Freitag, 26. Dezember 2008

100% durchgeblättert | Altpapierkandidatur

Solange ich noch in Langenfeld wohnte und in Köln nur studierte, genügte mir „Rathaus ratlos“, das Magazin der Ratsfraktion von „Bündnis 90/DIE GRÜNEN“, vollkommen aus, um mich über die Kölner Zustände zu informieren.

Das war zu Zeiten, als ich noch kein regelmäßiger Internet-Nutzer war. In dieser Lage, einerseits ortsfremd, andererseits noch nicht vom informationellen Quellenreichtum der Online-Medien geprägt, empfand ich die GRÜNEN-Postille als durchaus beeindruckendes und vorbildliches Beispiel politischer Öffentlichkeitsarbeit.

Inzwischen bin ich natürlich onlineverwöhnt und finde es beschämend, dass ausgerechnet jene Partei, die sich irgendwann in der jüngeren Steinzeit in ihrer Vergangenheit die Forderung nach höchstmöglicher politischer Transparenz auf die Fahnen geschrieben hatte, jedenfalls hier in Köln nur einen hochgradig schrottigen WWW-Auftritt leistet.

Und inzwischen in Köln nicht mehr ganz ortsfremd, scheinen mir unbedacht oder jedenfalls unzensiert zu Papier gebrachte Forumulierungen wie
„Der Rhein durchquert Köln schon immer, er soll jetzt auch seine Mitte im Stadtraum werden.“
zumindest als problematisch. Denn, mal abgesehen vom merkwürdigen Possesivpronomen („seine Mitte“), der Rhein „durchquert“ meines Wissens das Kölner Stadtgebiet erst seit dem Jahr 1888, ein historisches Sekündchen in der Geschichte der Domstadt. 1888 wurde mit Deutz das erste nennenswerte rechtsrheinische Gebiet in die Stadt eingemeindet, was der einst florierenden Industrieansiedlung Deutz ähnlich „gut“ getan hat wie der erst 1914 okkupierten Stadt Mülheim am Rhein oder dem 1975 einverleibten Porz.

Würde man die für das Rechtsrheinische wirtschaftlich und kulturell verheerenden Eingemeindungen der Jahre 1888 bis 1975 wieder rückgängig machen oder die unterjochten betroffenen Ortsteile als neue Stadt in die Unabhängigkeit entlassen (schlage als Namen ein dezent boshaftes „Kölnerhaven“ vor), der Rhein flösse wieder dort, wo er eigentlich „immer schon“ floss: östlich von Köln an der Stadt vorbei.

Nichts für ungut, ich lese meist ein „Rathaus Rathlos“, denn als in Teilen ziemlich hermetischen Verein habe ich die Herausgeberschaft von „Rathaus ratlos“ auch schon in natura erlebt. Mit der gern geposteten Bitte um Klickgymnastik schließend:









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