Freitag, 26. Dezember 2008

100% durchgeblättert | Altpapierkandidatur

Solange ich noch in Langenfeld wohnte und in Köln nur studierte, genügte mir „Rathaus ratlos“, das Magazin der Ratsfraktion von „Bündnis 90/DIE GRÜNEN“, vollkommen aus, um mich über die Kölner Zustände zu informieren.

Das war zu Zeiten, als ich noch kein regelmäßiger Internet-Nutzer war. In dieser Lage, einerseits ortsfremd, andererseits noch nicht vom informationellen Quellenreichtum der Online-Medien geprägt, empfand ich die GRÜNEN-Postille als durchaus beeindruckendes und vorbildliches Beispiel politischer Öffentlichkeitsarbeit.

Inzwischen bin ich natürlich onlineverwöhnt und finde es beschämend, dass ausgerechnet jene Partei, die sich irgendwann in der jüngeren Steinzeit in ihrer Vergangenheit die Forderung nach höchstmöglicher politischer Transparenz auf die Fahnen geschrieben hatte, jedenfalls hier in Köln nur einen hochgradig schrottigen WWW-Auftritt leistet.

Und inzwischen in Köln nicht mehr ganz ortsfremd, scheinen mir unbedacht oder jedenfalls unzensiert zu Papier gebrachte Forumulierungen wie
„Der Rhein durchquert Köln schon immer, er soll jetzt auch seine Mitte im Stadtraum werden.“
zumindest als problematisch. Denn, mal abgesehen vom merkwürdigen Possesivpronomen („seine Mitte“), der Rhein „durchquert“ meines Wissens das Kölner Stadtgebiet erst seit dem Jahr 1888, ein historisches Sekündchen in der Geschichte der Domstadt. 1888 wurde mit Deutz das erste nennenswerte rechtsrheinische Gebiet in die Stadt eingemeindet, was der einst florierenden Industrieansiedlung Deutz ähnlich „gut“ getan hat wie der erst 1914 okkupierten Stadt Mülheim am Rhein oder dem 1975 einverleibten Porz.

Würde man die für das Rechtsrheinische wirtschaftlich und kulturell verheerenden Eingemeindungen der Jahre 1888 bis 1975 wieder rückgängig machen oder die unterjochten betroffenen Ortsteile als neue Stadt in die Unabhängigkeit entlassen (schlage als Namen ein dezent boshaftes „Kölnerhaven“ vor), der Rhein flösse wieder dort, wo er eigentlich „immer schon“ floss: östlich von Köln an der Stadt vorbei.

Nichts für ungut, ich lese meist ein „Rathaus Rathlos“, denn als in Teilen ziemlich hermetischen Verein habe ich die Herausgeberschaft von „Rathaus ratlos“ auch schon in natura erlebt. Mit der gern geposteten Bitte um Klickgymnastik schließend:









Mittwoch, 24. Dezember 2008

80% quergelesen | Bajohr: Parvenüs und Profiteure

Wen das Coverbild ziert, weiß ich nicht zu sagen. Es steht, soweit ich sehe, nirgendwo im Buch.

Nepotismus, im Kölner Dialekt verniedlichend „Klüngel“ genannt, gehört nach allem, was Ethnologen zutage gefördert haben, zu den anthropologischen Universalien.
Anders formuliert: Begünstigung, Bestechung, ökonomische „Nächstenliebe“ oder schlicht „Korruption“ sind in jeder menschlichen Gesellschaft anzutreffen.
Nicht wirklich überraschend, dass dieses Phänomen in einer Diktatur stärker anzutreffen ist, in der die völlige Entrechtung von Minderheiten ihre Angehörigen in absolute Abhängigkeiten versetzt und die Schergen des Oberhenkers allenthalben für das Wohlbefinden auch ihrer Mitschergen zu sorgen haben - kein Wunder, dass Korruption im totalitären System stärker anzutreffen ist, als beispielsweise in halbwegs solide verwalteten demokratischen Rechtsstaaaten mit halbwegs intakter Presse- und Kommunikationsfreiheit.

(Nebenbei bemerkt: Hans Blumenbergs Miniessay zum Motto der SS, „Meine Ehre heißt Treue“, bewahrheitet sich auch hier.)

Das Nazi-Regime war korrupt bis in die Knochen.
(Nebenbei: Dieser Satz ist so abgründig, dass ich ihn lieber nicht exegiere.)

Das Nazi-Regime war korrupt bis in die Knochen, was einigermaßen bekannt und damit nicht sonderlich überraschend zu lesen war. Bajohr präsentiert exemplarische Geschichten, etwa aus Hamburg oder anhand ausgewählter NS-Oberschergen.

So weit, so gut. So weit, so langweilig. Was ich mir wünschen würde: Wer vor 1989/90, dem Zusammenbruch des DDR-Regimes, eine detaillierte Studie über das korrupte NS-Regime schreiben wollte, geriet leicht in den Ruf, „vom Osten“ bezahlt, unterstützt oder zumindest intellektuell korrumpiert zu sein. Diese Zeiten sind vorbei. Wünschenswert wäre daher eine Studie zu lesen, wie sie zum Beispiel zum transatlantischen Sklavenhandel existieren: Man bekomme Namen, Firmen, Zahlen, Orte vorgelegt, „Ross und Reiter“ - selbst, wenn die nach 1945 fortexistierenden Verstrickungen, Netzwerke und Seilschaften aus der Zeit vor 1945 bloßgestellt werden.

Das fände ich spannend. Als Einführung von Wert ist derweil sicher:

Frank Bajohr | „Parvenüs und Profiteure. Korruption in der NS-Zeit“ | Frankfurt am Main | Fischer | 2004 | gerade erst meiner Bibliothek & frisch meinem Kopf einverleibt | 256 Seiten (davon 195 Seiten Fließtext).

Damit habe ich für heute und für mich das Thema „Wunschzettel“ aber auch schon vom Tisch. Doch, ein kleiner Wunsch vielleicht. Machen Sie doch noch ein paar Klicks zum höheren Ruhm der Suchmaschinen!








Montag, 22. Dezember 2008

95% gelesen | S.S. Montefiore: Stalins Hofhaltung

Bibliografisches:Stalin. Am Hof des roten Zaren“ von Simon Sebag Montefiore | Frankfurt am Main | S. Fischer | 2005 | übersetzt von Hans Günter Holl | 874 Seiten | entliehen aus der Stadtbibliothek Köln (Mülheim) am 15. Dezember 2008 und inzwischen gelesen. | Originaltitel: „Stalin. The Court of the Red Tsar“

Inhalt (kurz gefasst): Der sowjetische Diktator Stalin hatte rund 25 Jahre die nahezu uneingeschränkte Macht im größten Land der Erde. Montefiore beschreibt die Umgangsformen im Moskauer Hofstaat des Machthabers, das ganze obszöne Personal, wie individuelle Psychopathologie in Massenmord endete oder zumindest im jeweils privat/öffentlichen Missbrauch zur Befriedigung wirtschaftlicher, politischer und - nicht zuletzt - sexueller Perversionen.

Kritik (inhaltlich): Ich fühle mich ausreichend ins Bild gesetzt, wie es im Hofstaat Stalins zuging, wenngleich Stalins Machtzentrum über die 25 Jahre, die dieses Buch behandelt, mir nicht so gut ausgeleuchtet scheint wie das Hitlers (wobei dessen 12 Schreckensjahre natürlich auch leichter zu fassen sind, zeitlich wie archivalisch).

Zu kurz kommt mir die sowjetische Zeitgeschichte, die mir eher unbekannt ist, Montefiore beschränkt sich tatsächlich auf die nähere Umgebung Stalins. Für eine Biografie ist das selbstverständlich in Ordnung, aber was wissen „westliche“ Leser schon über das moderne Russland? (Wenn sie wollen, vermutlich mehr als heutige Russen.)

Erfreulich ist, dass Montefiore seinen erzählerischen Ansatz, Stalins Wahn auf den Suizid seiner langjährigen Lebensgefährtin Nadja zurückzuführen, nicht durchhält. Das Thema taucht episodisch auf, schafft aber kein analytisches Gerüst. (Was ja auch, angesichts der theoretischen Finesse, mit der sich hierzulande Intentionalisten und Strukturalisten zanken, zu dürftig wäre.)

Formal: Ich muss mich doch sehr wundern, dass Verlage von hohem Ansehen immer wieder schwergewichtige Bücher (hier: fast 900 Seiten) auf den Markt werfen, die bei sorgfältigem Lektorat viele kleine Ärgerlichkeiten weniger aufweisen könnten. Ärgerlich finde ich unter anderem das Folgende.
  1. Russische Kose- oder Spitznamen tauchen mehr oder weniger uneingeführt auf, verwirren gelegentlich und werden schließlich auch nicht im Personenverzeichnis entschlüsselt.
  2. Das Personenverzeichnis hätte, vor allem angesichts so vieler Morde, gerne die biografischen Minimaldaten aufnehmen dürfen.
  3. Nicht selten ist der Fluss der Erzählung ein wenig lästig zu lesen, weil über eine längere Passage (an einigen Stellen: 20 Zeilen und mehr) die handelnde Person nicht benannt wird. Sie taucht dann zwar am Ende des jeweiligen Abschnitts auf, sonst wäre es auch ein richtiger Schnitzer, für den Leser lästig ist das aber in jedem Fall. (Ich kenne das Original nicht, habe aber die Vermutung, dass im Englischen „eingerückte“ Passagen einfach in uniformen deutschen Fließtext überführt wurden, anders kann ich mir das nicht erklären.)
  4. Regelrecht ins Grübeln kam ich auf Seite 219. Hier erzählt Montefiore, dass der zur Zeit der Moskauer Schauprozesse 35-jährige Staatsanwalt Andrei Wyschinski, ich zitiere „einst, als Zellennachbar Stalins, die Fresskörbe von seinen Eltern mit diesem geteilt“ habe, was - wie Montefiore empathisch bemerkt - für den Mordgehilfen Wyschinski „eine offenbar sehr lohnende Investition“ gewesen sei. Hier stimmt entweder die Altersangabe (35) nicht oder die Gefängnisanekdote. So etwas sollte in einer gedruckten Fassung nicht mehr auftauchen.
Fazit: Zugegeben, festgelesen habe ich mich vielleicht gerade wegen des mutmaßlichen „Schnitzers“ auf Seite 219 (siehe Punkt 4), weil mich der manchmal etwas anstregende Fluss der Erzählung (siehe Punkt 3) sonst doch vermutlich zum Weglegen animiert hätte.

Sprunghafte Ideen: Trotz meiner Mäkeleien wünsche ich mir die Biografie verfilmt und als Hörspiel (ins Netz gesetzt), in chinesischer, russischer und englischer Sprache (und zwar in dieser Reihenfolge). Warum, dass darf sich jeder selber denken. +++ Sollten wir in der Bundesrepublik noch einen funktionsfähigen Geheimdienst haben (ich glaube ja eher, dass die Sesselpfurzer bloß Zeitungsausrisse aus allgemeinen Medien produzieren), sollte dieser ein marktübliches Netzwerkanalyseprogramm kaufen und die Namen, die in Montefiores „Postskriptum“ auftauchen eingeben und um weiteres Datenmaterial ergänzen. Nachdem man ja schon 1989 nicht wusste, dass die westlichste Baracke des Sozialismus (die zwischen Halberstadt und Frankfurt/Oder) zusammenbrechen würde und mit welchem Personal man zu rechnen hätte: Wäre schön, wenn man über das halbfasischstische, postsowjetische Russland gut Bescheid wüsste.


Sonntag, 21. Dezember 2008

Wegen Auflachens 99,9% ungelesen | Ritzen von Ritzendorf

Bestimmt habe ich schon einmal erwähnt, dass ich über Namen keine Scherze machen möchte, schon gar nicht bei so ernsten Themen wie der Selbstbeschädigung vornehmlich junger Menschen (weiblichen Geschlechts).

Was aber tun, sprach nicht nur Wladimir Illjitsch, was aber tun, wenn in der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ heute unter einem Artikel zum Thema „Ritzen“, überschrieben mit „Wenn der Schmerz den Stress betäubt“, der Name der Autorin wie folgt angegeben wird:

„Christine Ritzendorf“
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Nicht zum Ritzen Scherzen aufgelegt:

Martin Rath | Ernsthaft!

Donnerstag, 18. Dezember 2008

2% gelesen | Denk- und Merkwürdigkeiten


Es gibt Formulierungen, die unbefriedigend sind, sicher aber vermutlich nur durch noch viel unbefriedigendere Ausdrücke ersetzen ließen. In einem Wikipedia-Eintrag zur weltweit bekanntesten Systemgastronomiekette las ich:
In der Schweiz wurde die erste Filiale 1976 in Genf eröffnet. Im Jahr 2004 bedienten 7.200 Angestellte in 145 Filialen rund 88 Millionen Kunden. Ursprünglich sollte das erste Restaurant an der Bahnhofstrasse in Zürich eröffnet werden, aufgrund von Protesten in der Stadtbevölkerung entschied man sich dann für das wohl „weltoffenere“ Genf.
Nun habe ich für die Schweiz eine Bevölkerungszahl von circa 7 oder 8 Millionen im Kopf, stutze daher natürlich bei der Angabe, dass McD im Alpenländle 88 Millionen Kunden haben soll. Dass mit dieser Angabe gemeint ist, dass jeder Schweizer (Touristen nicht mit abgerechnet) circa 11-mal im Jahr beim „Burgerbrater“ war, das ist mir selbstverständlich bewusst, gleichwohl wird „Kunde“ zum missverständlichen Wort, wenn eigentlich so etwas wie „bei einem Konsumbesuch gezählte Person / Konsum-Rechnungskontrahent“ die Zahl 88 Millionen rechtfertigt.
Zur Irritation trägt ein bisschen bei, dass die Zahl der Angestellten ja vermutlich anders als die der „Kunden“ festgehalten wird. (Sind es die Angestellten zu einem bestimmten Stichtag oder ein durchschnittlicher Personalstamm?)

An dem Schweizer „ss“ würde ich mich nur stören, wenn es mir in einem akademischen oder offiziellen Text bundesdeutscher oder österreichischer Provinienz unterkäme, in dieser Funktion:


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http://koelnkorrekt.de/Archiv_Martin_Rath_koelnkorrekt_01-30.PDF
Ausschnitte, Artikel und Aufsätze von laufender Nummer 1 bis Nummer 487

http://koelnkorrekt.de/Archiv_Martin_Rath_koelnkorrekt_31-60.PDF
Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 488 bis 923

http://koelnkorrekt.de/Archiv_Martin_Rath_koelnkorrekt_61-90.PDF
Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 924 bis 1.344

http://koelnkorrekt.de/Archiv_Martin_Rath_koelnkorrekt_91-120.PDF
Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 1.345 bis 1.708

http://koelnkorrekt.de/Archiv_Martin_Rath_koelnkorrekt_121-150.PDF
Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 1.709 bis 2.119

http://koelnkorrekt.de/Archiv_Martin_Rath_koelnkorrekt_151-180.PDF
Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 2.120 bis 2.555


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Quelle für das Bild und das Zitat oben ist der Wikipedia-Eintrag „Mc Donald's“ von heute (9.43 Uhr).

Für die Fettverbrennung können Sie ja auch noch ein bisschen Klickgymnastik betreiben:

Dienstag, 16. Dezember 2008

Nicht Fan, nicht Anti-Fan


Ich kann nicht behaupten, ein Fan von Michael Jackson zu sein - bin es auch nie gewesen. Fan zu sein, das ist überhaupt eine mir fremde Eigenschaft.

Ich bin ja noch nicht einmal notorisch von mir selbst begeistert, wie das alle erdenklichen Ratgeber vom modernen Menschen wünschen. (Und das, obwohl es für mich doch sooo gute Gründe gäbe.)

So weit, so schlecht. Immerhin, so gut: Richtige Abneigungen hege ich - von den einschlägig bekannten Grausköpfen (Mao, Stalin, Hitler & ihre Handlungsgehülfen) des 20. Jahrhunderts abgesehen - eigentlich auch nicht.

Um so böser die Überraschung, wenn mich bei der Lektüre einer kleinen DPA-Meldung der Gedanke durchzuckt: „Na, Michael Jackson hat ja wohl nicht mehr genug Geld dafür ...“ Und zwar dafür.

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Montag, 15. Dezember 2008

80% gelesen | Links zum Fremdschämen



Manchmal erlebe ich das, was jüngere denn ich als „Fremdscham“ bezeichnen, bei der Lektüre journalistischer Texte. Die Frage „Kenne ich das nicht irgendwoher?“ leitet dabei regelmäßig meine Gefühle, weil mir der Text irgendwie bekannt vorkommt. Selten dürfte dann unbewusstes Abschreiben (leises Fremdschämen), häufiger übler Ideenklau (Zornesröte) die Ursache meiner Idiosynkrasie sein.

Wem in meinen eigenen journalistischen Texten etwas zu bekannt vorkommt, kann anhand der folgenden Links zumindest prüfen, ob sich in meinem Archiv die Arbeiten von Kolleginnen und Kollegen befinden, deren Ideen eine allzu große Familienähnlichkeit mit den meinen aufweisen. Sollten sie, so bitte ich meinen Holzkopf schnellstmöglich zu unterrichten.

Ausschnitte, Artikel und Aufsätze von laufender Nummer 1 bis Nummer 487 - Link

Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 488 bis 923 - Link

Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 924 bis 1.344 - Link

Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 1.345 bis 1.708 - Link

Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 1.709 bis 2.119 - Link

Ausschnitte, Artikel und Ausätze von laufender Nummer 2.120 bis 2.555 - Link


Die Angabe „80% gelesen“ bezieht sich auf das Textmaterial, das in den Dateien hinter den Links aufgelistet und verschlagwortet zu finden ist. Sofern ich Artikel nicht schon deshalb in mein Archiv geräumt habe, weil ich sie so schön fand (z.B. manche layoutschöne, aber inhaltlich eher bräsige Wissenschaftsseite aus der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“), habe ich sie schon auch gelesen.

66% gelesen | Stankowskis schlechtgelaunter Rheinführer

In Köln ist Martin Stankowski weltberühmt. Diese Eigenschaft stützt sich darauf, dass er für Kabarettisten wie Jürgen Becker das Gehirn spielt(e), was ich mir sehr anstrengend vorstelle, noch schlimmer: im Verwaltungsrat der Sparkasse saß (ich glaube, jener der Stadt Köln) - und auch darauf, dass er als gelernter Historiker und Theologe eine Reihe alternativer Geschichten und Geschichtchen über die von ihm bzw. den von ihm (mit-) gelieferten Gründen abgesehen so selbstverliebte Domstadt vorlegte. Geschichte, wie sie der Kölner nicht so gerne hört.

Mir, als zugegebenermaßen schlechtgelauntem Zugezogenen (also: nicht in Köln Gebürtigem), scheint die kölsche Eigenliebe mitunter wie eine anatomische Anomalie: Der Kölner ist der einzige Mensch, der sich selbst bützen (hochdeutsch „knutschen“) kann und zwar auf die Schnüss (hochdeutsch „den Mund“). So selbstverliebt ist der Kölner.

Aber ich schimpfe abseitig. Martin Stankowski schreibt in seinem Reiseführer „Links + Rechts“ über das Rheinland zwischen Köln-Mülheim im Norden und dem Städchen Bacharach und der Burg Stahleck im Süden.

Oft ist er dabei denkbar schlechter Laune. Was vor allem am Tourismus und den fiesen Schnellstraßen und Eisenbahnlinien längs seines Reiseführerweges liegen muss.

Wer sich von Stankowskis gelegentlich ungnädiger Stimmung nicht abschrecken lässt, kann sich von ihm vielerlei mit Gewinn zu besuchender Örtchen am Rhein entdecken lassen:

Martin Stankowski | Links + Rechts | Vom Kölner Dom bis zur Loreley | Bilder von Gernot Huber | Köln | Kiepenheuer & Witsch | 1. Auflage 2005 | 285 Seiten | € 19,90 | 3-462-03573-8







Sofern Sie es nicht an den Fingern haben, klicken Sie doch auch einmal hier & dort:



Test, wie es mit dem Linken klappt...

Mal schaun, ob man hineinschaun kann: Kniffelig.

100% ungelesen | Einkäufe von heute


Es gibt, zugegebenermaßen, nicht viele Dinge in meinem Leben, auf die Oscar Wildes berühmtes Bonmot „Ich kann allem widerstehen, nur nicht der Versuchung“ anzuwenden wäre, doch, als ich heute Morgen nach einer größeren Rückgabe in der Universitätsbibliothek an der VUB, Meister-Ekkehart-Straße, vorbeikam, juckten € 14 so übel in der Tasche, dass ich sie lieber hingab für: Hans Blumenberg | Die Lesbarkeit der Welt | Frankfurt am Main | Suhrkamp | 5. Aufl. 2000 | 415 Seiten | € 3,50 || Frank Bajohr | Parvenüs und Profiteure | Korruption in der NS-Zeit | Frankfurt am Main | Fischer | 2001 | 255 Seiten | € 3,50 || Niklas Luhmann | Soziale Systeme | Grundriß einer allgemeinen Theorie | Frankfurt am Main | Suhrkamp | 1987 | 675 Seiten | € 3,50 || Gernd Koenen | Utopie der Säuberung | Was war der Kommunismus? | Frankfurt am Main | Fischer | 2000 | 452 Seiten | € 3,50

Ich brauche wohl ein paar Stunden, um diese 1.797 Seiten zu lesen. Ich melde mich dann wieder. Natürlich zwischendurch auch mit etwas anderem.





Wenn Sie etwas übrighaben für den oder das, bei dem etwas übrigbleibt, klicken Sie doch einmal hier



oder dort:


Sonntag, 14. Dezember 2008

Circa 3% gelesen | Heiko Ernsts Zettelkasten: Psychotrends

Heiko Ernst, Chefredakteur der Zeitschrift „Psychologie heute“ ist ein ziemlich belesener Kopf. Mit Sicherheit verfügt er über einen Zettelkasten, der jeden Nachwuchs-Intellektuellen vor Neid blass werden lässt.

Dem ersten Buch Ernsts, das mir in die Finger fiel, tat diese Belesenheit gut. Denn in „Wie uns der Teufel reitet | Von der Aktualität der 7 Todsünden“ wird sein Zettelkasten gebändigt durch ein System. Zu seinem und des Lesers Vorteil ist es ein sehr altes intellektuelles System: die Nomenklatur der sieben Todsünden.

Was passiert, wenn Ernst seine flottierenden Gedanken und Einsichten ohne die Stütze eines wirklichen Systems zu Papier bringt, kann man hier entdecken:

Heiko Ernst | Psychotrends | Das Ich im 21. Jahrhundert | München & Zürich | Piper | 1996 | 214 Seiten | 3-492-03626-0 | Stadtbibliothek Köln-Mülheim Pbo 7 Ernst

Normalerweise kann mich ein solches Werk doch immerhin zum Querlesen mit gelegentlichem Intensivschlafwachsein animieren. Hier reichte es gerade einmal dazu, mir ein Zitat zu notieren:
Für mich ist Sinn alles, was Menschen daran hindert, in den nächsten fünf Minuten aus dem Fenster zu springen. (Robert Gernhardt in einem Fernsehinterview)

Ich bemühe mich unter anderem darum, Studentinnen und Studenten durch die Korrektur ihrer Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, Magister, Diplom) ein wenig Sinn zu leisten:







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Für die Klickgymnastik Ihres Browsers siehe auch:

Samstag, 13. Dezember 2008

0% gelesen | einerseits gut, andererseits unerfreulich





Es werden in Deutschland zu viele Bücher gedruckt, was an der Buchpreisbindung liegen mag: Zehn Katzenkrimis finanzieren via Quersubvention den Gedichtband aus dem gleichen Verlag - oder: Ohne Walter Moers' „Arschloch“ keine „Andere Bibliothek“ von Hans Magnus Enzensberger.

Das war jedenfalls die verlegerische Logik früherer Tage, ob sie heute auch noch funktioniert, weiß ich nicht. Vielleicht sollte man sich recht eigentlich darüber freuen, wenn die Bücher teurer werden. Einfach, weil es die Chancen erhöht, dass weniger Schmu gedruckt wird.

Ich freue mich aber nicht, wenn es sich um derlei - mit einiger Sicherheit höchst spannende - Werke handelt. Von deren Existenz man dann auch nur durch den Informationsdienst Wissenschaft erfährt.


Stoizismus in der europäischen Philosophie, Literatur, Kunst und Politik | Eine Kulturgeschichte von der Antike bis zur Moderne | Hrsg. von Barbara Neymeyr, Jochen Schmidt und Bernhard Zimmermann | Berlin/New York: Verlag Walter de Gruyter | 2008 | € 168,00 | Es würde mich überraschen!

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Gönnen Sie Ihrem Browser ein bisschen Klickgymnastik:








Freitag, 12. Dezember 2008

111% gelesen | Burkhard Spinnens Sprachkritik

Zugegeben, im gegenwärtig allüberall zu hörenden und zu lesenden Sprachgebrauch der Medien geht mir vor allem die Metapher „die Wirtschaft ankurbeln“ auf den Nerv. Als ob das, was man ohnehin schon bös vereinfachend „die Wirtschaft“ nennt, einem schlichtem Automobil von Henry Ford (dem Ersten) äquivalent in Betrieb zu setzen sei.

Davon schreibt Burkhard Spinnen nichts, dafür umso mehr all die anderen Unsäglichkeiten der Wirtschafts(medien)sprache von „angedacht“ über „Beschwerdemanagement“, von „Humankapital“ bis „Ertragswinkel“.

Das, was Spinnen in kurzen Artikeln schreibt, ist gut, richtig und wahr. Seine Vorbemerkung zur Sprachkritik eines Dativfahnders wie Bastian Sick möchte man in Stein meißeln und den Verehrern desselben auf die Füße fallen lassen.

Doch ist dafür jetzt nicht die Zeit. Ist nicht Weihnachten auch das Fest der Liebe? Sollten Sie sich also einen BWLer zum Liebhaber (es sollen die Schnellsten sein) oder eine Unternehmensberaterin (bekanntlich alle nett wie Rhona Mitra anzuschaun) zur Braut oder zur Brust genommen haben, legen Sie doch Ihrem/Ihrer Liebsten folgendes Werk untern Baum:

Burkhard Spinnen | Gut aufgestellt | Kleiner Phrasenführer durch die Wirtschaftssprache | Freiburg im Breisgau | Herder | 2008 | 158 Seiten | € 7,00 | 978-3-451-05961-2


Wenn Sie noch auf dem Weg zum BWL-/VWL-Abschluss sind, vielleicht von Interesse:

Donnerstag, 11. Dezember 2008

100% gelesen | Jochen Hörischs Eulenflugperspektive

Zugegeben, es ist wohl ein Nebenprodukt meines autodidaktischen Lernprozesses seit circa 1977: Als ich, nach dem 1995 erworbenen Abitur an dier Universität am Albertus-Magnus-Platz, Köln, ankam, wirkte die Mehrzahl meiner Kommilitonen ein wenig dämlich auf mich. Ungefähr so, wie die gesondert auf dem Faktor „bisserl blöd“ gecasteten Gäste der „Quiz-Show mit Jörg Pilawa“.

Dafür konnten meine studentischen Mit-Soldaten wenig mit mir anfangen - mutmaßlich können sie es auch nicht mit Jochen Hörischs Buch zur Rettung der Alma mater. Hörisch, dessen „Theorie-Apotheke“ ich schon in den appetitlichsten Tönen gelobt habe, singt noch einmal das Hohe Lied auf eine Universität, die man heutzutage in Gebäuden gleicher Bezeichnung eher nicht mehr findet. Es ist das Hohe Lied auf die Korporation von Lehrenden und Lernenden, das Lob einer Geisteshaltung, in der Bildung entsteht - verbunden mit Vorschlägen, wie man die moderne Akademikerverwahranstalt vielleicht wieder in einen liebenswerten Zustand zurückbefördern könnte.

Mir persönlich sind die Ideen des Mannheimer Professors Hörisch überaus sympathisch. Trotzdem: Ob man die Lektüre des schmalen Buches jungen Menschen anraten kann, die gerade erst am real existierenden Akademismus zu leiden begonnen haben? Ich zweifle. Hat das nährende Mütterchen „Uni“ nicht genug Beziehungsstress mit Bürokraten, Evaluatoren und Gleichstellungsstellerinnen? Sollte sie auch noch Liebhaber haben?

Jochen Hörisch | Die ungeliebte Universität | Rettet die Alma mater! | München & Wien | Hanser | 2006 | 139 Seiten



An der Schnittstelle von Liebhaberei & Geschäft | Gesamtmenge von Privatheit & Öffentlichkeit


Analogon zur käuflichen Liebe:

Dienstag, 9. Dezember 2008

About Schmidt:

Ich lese gerade Bild am Montag den SPIEGEL von gestern, den ich mir aus dem Online-Angebot der hiesigen Stadtbibliothek als PDF heruntergeladen habe. So brauche ich für Bild am Montag den SPIEGEL nicht extra Geld auszugeben und kann mich an anderer Stelle großzügig zeigen, zum Beispiel hier:

Aber ich lenke vom Wesentlichen ab. Eine Ikone ist Helmut Schmidt für mich natürlich nicht, denn anbetungswürdig wäre der Herr Bundeskanzler a.D. nur unter Bedingungen, die er nicht erfüllt, in meiner politischen Sozialisation spielte er jedoch seine Rolle:
  1. Das erste im uneigentlichen Sinn „politische Ereignis“ an das ich mich überhaupt erinnern kann, war die Entführung und Ermordung des Arbeitgeber-Verbandspräsidenten Hanns Martin Schleyer, 1977. Ich träumte damals, Terroristen könnten mich I-Dotz auf dem Weg zur Grundschule überfallen, vielleicht weil auch ich „Martin“ als Vornamen trage. Helmut Schmidt, diensthabender Bundeskanzler, erwies sich nicht als Kontrahent, sondern als Feind des Terrorismus.
  2. Als 11-Jähriger hörte ich im Herbst 1982 mit heißen Ohren am Radio die Debatte, die dem konstruktiven Misstrauensvotum vorausging, mit dem der Deutsche Bundestag Helmut Schmidt mit Helmut Kohl verwechselte.
Circa 1993 habe ich als etwas nassforscher Spätpuberszent in einem Leserbrief an DIE ZEIT, der Helmut Schmidt damals schon als diensthabender Herausgeber vorstand, an einem Artikel Schmidts herumgemäkelt, in welchem er irgendwen des Machiavellismus bezichtigte. In abwertender Absicht, was Machiavelli (auch) nach meiner Überzeugung nicht verdient hat. Die Leserbriefredaktion druckte das ungekürzt ab, vielleicht wollte man dort dem Alten mal einen Tort antun.

Nun, im Alter, muss man Helmut Schmidt ja immer noch vor den Seinen schützen, beispielsweise vor dem ZEIT-Chefredakteur Giovanni Di Lorenzo, genannt „der Prächtige“. Denn nach meiner einschlägigen Überzeugung darf man Helmut Schmidt keinesfalls einen „Charismatiker“ nennen. Dann lieber gleich „Ikone“.

In der neuesten Ausgabe der Bild am Montag des SPIEGEL beschreibt man das Interview-Verhalten des alten Herrn wie folgt:
Schon die erste Frage gefiel Helmut Schmidt nicht. So könne man nicht fragen, antwortete er. Präziser bitte. Es war die ewige Wiederkehr des Gleichen, als der Altkanzler, der am 23. Dezember 90 Jahre alt wird, SPIEGEL-Redakteur Dirk Kurbjuweit, 46, vorigen Mittwoch empfing. Wann immer SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein († 2002) und Kollegen den Sozialdemokraten seit 1967 befragten, mühte der sich kaum, seine Neigung zum Oberlehrerhaften zu verbergen.
Hoffentlich keinen Oberlehrer finden Sie hier:

Freitag, 5. Dezember 2008

Circa 100% gelesen | Götz Aly (Hg.) Volkes Stimme. Skepsis und Führervertrauen im Nationalsozialismus

Mit seinem parziell gleichsetzenden Vergleich der sog. „1968er-Bewegung“ mit der „Nationalen Erhebung“ der Jahre nach 1933 hat sich der Historiker Götz Aly noch in diesem Jahr in die Nesseln gesetzt. Ich persönlich habe diese Kritik an Aly nach allen Regeln neostoischen Desinteresses ignoriert, aber Bücher wie das hier kurz zu besprechende zeigen, dass es ein Akt intellektueller Selbstbeschädigung sein könnte, Alys Forschungen grundsätzlich als „ungelesen“ abzulegen.

Ausgangspunkt dieses Buches ist die Tatsache, dass die nationalsozialistische Diktatur zwar durchaus eine gewisse Neugier hatte, wie es um die „Stimmung“ des sog. deutschen Volkes bestellt war - die bis zur physischen Vernichtung poltitisch Andersdenkender reichende Herrschaftspraxis aber natürlich nicht dazu angetan war, Meinungen öffentlich zu äußern.

Selbstverständlich war auch die Bespitzelung der Bevölkerung, beispielsweise durch den sog. „Sicherheitsdienst (SD)“ nicht geeignet, ein auch nur ansatzweise objektives Bild davon zu zeichnen, was in den Köpfen der Menschen unter nationalsozialistischer Herrschaft vorging. - Die moderne Methodik der Meinungsforschung kam denn auch erst mit der Befreiung Westdeutschlands durch die US-Army ins Land.

Die Historiker um Götz Aly bedienen sich einiger Kniffe, um doch so etwas wie ein ansatzweise objektives Bild zu (re-) konstruieren, von der „Stimmung“ der Deutschen im NS-Reich.

Wohl jedem Deutschen meiner Generation (Jahrgang 1971) vertraut ist die Frage nach den Vornamen in der Elterngeneration. Ich hege zum Beispiel schon seit einiger Zeit Zweifel daran, ob meine Großeltern väterlicherseits wirklich so wasserdicht „Anti-Nazi“ waren, wie es die Familien-Mär behauptet. Immerhin sind Vornamen wie Inge, Reinhold, Norbert und Karin zu 75% „nordisch&#147 - Eltern, die ihren Kindern zwischen 1933 und 1945 solche Namen gaben, kann man nur sehr bedingt eine oppositionelle Haltung zuschreiben. Und gab es nicht Stess, als das zweite Enkelkind statt des nordischen „Harald“ (Enkel Nr. 1) den biblisch-semitischen Namen „Susanne“ bekam?

Aber ich schweife ab. Oliver Lorenz untersucht im vorliegenden Band unter der Überschrift „Die Adolf-Kurve“ die Vergabe explizit mit dem NS-Führungspersonal (oder dem Nazi-„Märtyrer“ Horst Wessel) assoziierter Vornamen in den Geburtsjahrgängen 1932 bis 1945. Lorenz kann belegen, dass sich an der relativen Vergabe-Häufigkeit von NS-assoziierter Vornamen ebenso Stimmungsentwicklungen in der deutschen Bevölkerung ablesen lassen, wie es etwa die von Sven Granzow, Bettina Müller-Sidibé und Andrea Simml untersuchten Kirchenaustritte erlauben.

Weitere Rückschlüsse auf die „Stimmung“ werden aus dem Spar-Verhalten, der Urteilspraxis des Volksgerichtshofs und den Formulierungen in den Todesanzeigen im Krieg gestorbener Soldaten gezogen. Der Versuch einer statistischen Gesamtwürdigung sowie klassisch historische Interpretationen runden die analytische Arbeit der Autoren ab.

An diesem Ort, einem eher wenig frequentierten Blog, darf ich meine Gedanken, die sich an die Lektüre des Buches anschlossen, vielleicht in einer eher ungelenken Art dokumentieren:

  1. Den Blick auf Kontinuitäten richten! - Ein Zeitungsbericht über die eingangs erwähnte Aly-Kontroverse entlockte einem meiner Bekannten, „Alt-68er“ eine leicht abfällige Bemerkung zu den historiografischen Qualitäten Götz Alys. Diese idiosynkratische „Kritik“ teile ich nicht. Seit der Lektüre von Aly & Heim „Vordenker der Vernichtung“ ist es überfällig, Kontinuitäten der ökonomischen, intellektuellen, sozialpolitischen etc. Institutionen in Deutschland - und zwar für die vergangenen rund 130 Jahre - ins Auge zu fassen. Man lese eine kritische Geschichte der deutschen Rentenversicherung, man sieht die (politische) Gegenwart mit anderen Augen!
  2. Empirische Geschichtswissenschaft als Paradigma der Neuen Medien? - Die früher so genannte „seriösen Medien&“ stehen, ganz egal, ob man den Niedergang des Print-Journalismus begrüßt oder betrauert, vor einem Umbruch. Ich bin in puncto Begrüßung/Betrauerung ambivalent gestimmt. Gut fände ich es ja, wenn Journalisten auf Straßenreinigung & Krankenpflege umsatteln müssten, die - als Frucht dürrer Recherchekunst - noch nie mehr in den Druck geben konnten, als es eine einfache Google-News-Suche heutzutage für jeden Nichtjournalisten ans Licht bringt. Was aber will ich zu lesen bekommen. Mir gab diese Letüre den Gedanken ein: Diktaturen und Gesellschaftsbereiche von fragwürdiger Transparenz (von der Volksrepublik China bis, sagen wir, der Bundesagentur für Arbeit) gibt es mehr als genug: Wenn ich also in Zukunft meine Tageszeitung aufschlage, für die ich in Bälde wohl 3 oder 4 Euro zu zahlen habe, möchte ich mir Stoff von der Qualität durch die Augen ziehen, wie ihn Götz Aly und seine Mitstreiter hier vorgelegt haben.
Von dieser assoziativen Gardinenpredigt nun aber ganz schnell zum Eingemachten. die bibliografischen Daten: Götz Aly (Hg.) „Volkes Stimme“Skepsis und Führervertrauen im Nationalsozialismus, Frankfurt am Main (Fischer Taschenbuch Verlag) 2006 | 224 Seiten | € 12,95 | meiner Bibliothek einverholfen am 26. November 2008


Bitte entschuldigen Sie etwaige Tippfehler in diesem Posting. Es ist schnell geschrieben & unterliegt leider nur der „Redaktion“ seines womöglich betriebsblinden Verfassers.



Hinweis in eigennütziger Sache: Wenn Sie mich mit der Korrektur Ihrer Abschlussarbeit (Examenshausarbeit, Magisterarbeit, Masterarbeit, Bachelorarbeit, Dissertation, Doktorarbeit) betrauen, egal ob in Geschichtswissenschaften, Rechtswissenschaften, sonstigen Sozialwissenschaften, kostet Sie das wenig. Weitschweifige Bemerkungen haben Sie nicht zu befürchten, wohl aber, dass ich - soweit zulässig - mich meiner Allgemeinbildung bediene. Sachdienliche Hinweise sind verlinkt.



Mich finden Sie übrigens auch hier & dort.


Donnerstag, 4. Dezember 2008

Deutschland | 25% unbelesen

Lange ging ich mit der Aussage um, in einem deutschen Durchschnitthaushalt (das sind 2,5 Personen) stünden rund 90 Bücher. Womit ich recht überdurchschnittlich dastünde, enthält mein Haushalt (1 Person) doch rund 2.500 bis 3.000 Bücher.

Wie übel die Lage außerhalb meiner Wände aussieht, davon berichtet heute die Deutsche Presseagentur: Ihr zufolge liest jeder vierte Insasse unseres geliebten Patri-/Matrimoniums gar nicht.

Nun lese ich natürlich auch nicht alles ganz ohne Ansporn. Gegen 1,50 € je Standardseite biete ich die Korrektur wissenschaftlicher Arbeiten (Bachelor-, Master-, Magister- oder Doktorarbeiten) feil. Mein Korrektorat/Lektorat finden Sie hier.

Weitere Ausküfte von mir stecken hier und dort zu meinem Standort.

Die Abb. stammt von Lutz Wallroth

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Miriam Meckel: Glück der Unerreichbarkeit | 100% ungelesen

Miriam Meckel, einst Regierungssprecherin der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen unter dem erfolgreichsten Sozialdemokraten aller Zeiten („GröSoZ“), hat schon vor einer Weile ein Buch geschrieben, das ich nicht gelesen habe und nicht lesen werde.

Heute fiel mir, neben dem „Geschmäckle“, dass die Sprecherin der vorläufig letzten SPD-geführten Landesregierung NRWs späterhin als Lebensgefährtin der ARD-Talkdame Anne Will geoutet wurde, ein weiterer guter Grund für meine Ignoranz ein, was Meckels Buch betrifft: Ich habe ein Archiv. Unter der laufenden Nr. 2.548 sortierte ich vorhin einen Artikel ein, in dem der Kollege Thomas Klau schon am 12. August 2004 jede Leselust zunichte machte. Einfach damit zunichte machte, weil ich mit Blick auf Meckel nichts Neues erwarte (wer schon freiwillig für einen Kotzbrocken arbeitet...)
Ungelesen bleibt mit begründeter Ignoranz also:

Miriam Meckel: „Das Glück der Unerreichbarkeit“ Wege aus der Kommunikationsfalle, Hamburg (Murmann) 2007

Bildquelle: Mein Privatarchiv, hier ein Ausriss aus der Financial Times Deutschland. Wenn Sie übrigens wissen wollen, wozu so ein Archiv gut sein kann, gucken Sie doch auch einmal hier & dort hinein. Sofern Sie zum Beispiel Dienstleistungen eines Korrektors oder Lektors namens Martin Rath in Betracht ziehen möchten.




Weil die Liebe doch nur einer von neun Zeitvertreibereien ist


Sie trägt einen Namen, der einem Katzenkrimi entsprungen zu sein scheint, ist aber wahrhaftige Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen - Felicitas von Lovenberg. In meinem privaten Archiv, das immerhin rund 2.500 Presseausschnitte enthält, ist Frau von Lovenberg nur mit zwei Artikeln vertreten, und zwar über P.G. Wodehouse und Nancy Mitford, was auf einigen Geschmack schließen lässt.

Lovenbergs Sachbuch „Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie?“ war mir für eine vollständige Lektüre leider zu langweilig. Ein paar erfrischende Zitate kluger Köpfe wiegen 1000malig gelesene Erkenntnisse aus der seriösen Soziobiologie nicht auf, der Ökonom des Liebeslebens, Garry S. Becker, taucht als Gespenst im Hintergrund auf, nicht namentlich benannt.

Empfehlen kann ich das Buch nur jenen Damen, die neben „Sex & The City“ noch ein wenig lesen möchten.

Felicitas von Lovenberg: „Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie?“ Die Sehnsucht nach der romantischen Liebe | München (Droemer) 2005 | 303 Seiten | entliehen aus der Stadtbibliothek Köln (Mülheim)

P.S.: Ich bin ja so stolz auf mich, dass ich mir beinah jeden Scherz über den Namen „Lovenberg“ verkneifen konnte.
P.P.S.: Eh ich's vergess': Ich schulde Frau von Lovenberg die Erkenntnis, dass mein Geburtstag auf den 15. Hochzeitstag von Piratennest-HäuptlingFürst Rainier von Monaco und Grace Kelly fiel. Die Erkenntnis nützt aber natürlich auch keinem.


Beruflich beschäftige ich mich mit Texten aller Art an diesem Örter: koelnkorrekt.de

Außerdem erlaube ich mir hinzuweisen auf: „
Sauerbratender Metapherngaul

Dienstag, 2. Dezember 2008

Ich bin dann mal hier...


... nicht, weil es mir so gut gefällt, so viele Internet-Verrichtungen über die Firma Google abzuwickeln, sondern weil mir meine alte Literatur-Reduktion (im gastronomischen Sinn) für meinen Geschmack zu oft zu unstabil und lendenlahm war.

Was ich bisher unterm alten Titel notierte, werde ich gelegentlich hier einmal verschlagworten und verlinken.
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Einstweilen als Querverweise:

Magere & fette Geschäfte | von mir | & der alte Kram.

In der Nachbarschaft blogge ich auch noch unter Sites of Cologne